Traumzeit

Ein mehrjähriger Inspirations- und Gestaltungsprozess der Kaspar-Hauser-Stiftung

Die Ausstellung in der Galerie Me Collectors in Berlin/DE, mit Werken der National Gallery of Australia, überraschte uns 2017/2018 in besonderer Weise. Viele Werke waren von einer tiefen Spiritualität angeregt, sie beschrieben die Traumzeit der Ureinwohner:innen Australiens und brachten ihre tiefe Verbindung zur Natur zum Ausdruck. Das Fotografieren dieser Arbeiten war nicht erlaubt, da die Bilder die Macht der Ahnengeister besitzen. Die indigene Bevölkerung Australiens hatte keine Besitztümer oder Grundstücke, auf denen sie Häuser errichtete. Man wusste nicht, wo sie verortet ist – sie lebte im Einklang mit der Natur und zog von Ort zu Ort im Outback, der Wüsten- und Buschlandschaft Australiens, ganz verbunden mit den Sternen und der Erde im Jahreslauf. Sie lauschte dem Lebensstrom, dem Klang der Erde – Orte mit besonderen Energiezentren sind für sie Heiligtümer, wie zum Beispiel auch der Ayers Rock.

Um die Lebensweise ihrer Völker, ihre Mythologie und traditionellen Riten festzuhalten und damit für die Nachkommen zu bewahren, wurden verschiedene Materialien verwendet. Die traditionelle Malerei wurde Jahrtausende lang vorwiegend auf flüchtigem Bildgrund wie Körperhaut und Sandböden oder auch auf Felswänden aufgetragen. Viele der frühen Werke zeigen die Naturphänomene und das Land. Sie bestehen aus natürlichen Erdpigmenten, die auf Rindenstücke gemalt sind, und verstärken somit die Verbindung zu ihrem Land.

Mit verschiedenen Materialien und grafischen Elementen versuchten wir darauffolgend, den rhythmischen Lebensstrom, in dem sich die Menschen mit der Erde verbunden fühlten, nachzuempfinden. Es entstanden Arbeiten auf Stein, Rinde, Papier und Leinwand, sowie Keramik, in Produktion und Dekor von den indigenen Kunstschaffenden inspiriert. Über eine längere Zeit erprobten wir Materialien, die uns in der Anwendung der Punkt-Technik hilfreich erschienen. Wir komponierten Bilder mit Punkten und übten, mit Linien bewegte Flächen zu gestalten. Dabei war es uns ein Anliegen, mit Naturmaterialien zu arbeiten. Wir organisierten uns Steine, die wir bemalten, und entwarfen Skizzen mit Erdpigmenten.

2022, bei einem weiteren Besuch der Ausstellung «Songlines – Sieben Schwestern erschaffen Australien» im Humboldt Forum (Berlin/DE) entstand die Idee, große Gefäße zu entwickeln und diese mit Engoben und Gravuren zu verzieren. Die Kunst Australiens ist eine kollektive Kunst. Jeder Stamm hat sein eigenes Wissen, welches über die Bilder weitergegeben wird. An unserem Projekt nahmen 25 Personen über einen Zeitraum von mehreren Jahren teil. Es waren Menschen mit Assistenzbedarf, die in der Kaspar Hauser Stiftung in Berlin/DE tätig sind oder die Tagesstätte für Menschen mit psychischen Erkrankungen besuchen. Es entstanden Einzelarbeiten und Gemeinschaftswerke.

 

Link: kh-stiftung.de

Bilder: Kaspar-Hauser-Stiftung, Berlin