Dieser Text entstand auf der Grundlage eines Vortrags auf der Internationalen Tagung über inklusive soziale Entwicklung, der am 3. Oktober 2024 am Goetheanum gehalten wurde.
Aus einer globalen Perspektive – Vernunft, Rationalität oder Resonanz?
In diesen Tagen werden wir die Sektion bzw. Fakultät für Heilpädagogik und inklusive soziale Entwicklung der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft gründen. Diese Hochschule ist eine neue Art von Universität, die von Rudolf Steiner vor 100 Jahren gegründet wurde. Die Gründung dieser Hochschule fand hier in Mitteleuropa statt, wo wir uns jetzt treffen, auch wenn sie immer Menschen aus der ganzen Welt einbezogen hat. Die Anthroposophie, das Werk Rudolf Steiners und auch der Heilpädagogische Kurs (GA 317), den er vor 100 Jahren gehalten hat, haben ihre Wurzeln in Ideen, die hier in Mitteleuropa entstanden sind. Aber Anthroposophie und diese neue Hochschule für Geisteswissenschaft sollten immer etwas für die Menschheit sein, für die Menschen unserer Zeit, und nicht nur für einen bestimmten Ort in der Welt.
Um ein besseres Gefühl dafür zu bekommen, was das bedeuten könnte, möchte ich Ihnen jemanden vorstellen, der uns helfen kann, das, was wir tun, aus einer anderen Perspektive zu betrachten, nicht aus Mitteleuropa, sondern aus der Karibik. Denn manchmal kann man die Dinge klarer sehen, wenn man den Blickwinkel ändert. Das Karibische Meer liegt zwischen Süd-, Mittel- und Nordamerika, und im Osten schließt sich der Atlantik an. Dort finden Sie eine Gruppe wunderschöner Inseln. Einige von Ihnen kommen von dort. Vor über 500 Jahren versuchten die europäischen Könige und Herrscher, die Karibik unter ihre Kontrolle zu bringen, weil sie ein Tor nach Amerika war. Infolgedessen sind diese schönen Inseln seit über 500 Jahren vom Kolonialismus und der damit verbundenen Gewalt und Ausbeutung betroffen. Und gleichzeitig sind sie zu einem der kulturell vielfältigsten Orte der Welt geworden, einem Ort, an dem Kulturen aus verschiedenen Kontinenten zusammenfließen und etwas Neues schaffen – trotz der Gewalt und Ungerechtigkeit des Kolonialismus. Sylvia Wynter (siehe Scott 2000), die ich Ihnen vorstellen möchte, wurde 1928 auf der Insel Kuba geboren und wuchs dann auf Jamaika auf, woher ihre Eltern stammten. Sie wurde Tänzerin, Dichterin, Philosophin und Sozialwissenschaftlerin. Heute ist sie 96 Jahre alt und emeritierte Professorin an der Stanford University in den USA. Sylvia Wynter befasste sich mit diesen 500 Jahren, in denen die moderne Welt, die Welt, in der wir heute leben, entstanden ist. Sie wollte verstehen: Was geschah in diesen 500 Jahren, nicht nur äußerlich, sondern was geschah im menschlichen Bewusstsein, in der Art und Weise, wie die Menschen sich selbst sehen und verstehen? Und was geschah in diesen 500 Jahren insbesondere in Europa, das zu so viel Leid und Gewalt und gleichzeitig zu so vielen neuen Ideen und Kreativität geführt hat. Sie versuchte, das Licht und den Schatten der modernen Kultur zu verstehen, die sich von Europa aus über die ganze Welt ausbreitete.
Was ist es, das sie sieht? Wie lautet ihre Diagnose? Und was ist nötig, um die zerstörerische Seite der modernen Zivilisation zu heilen? Was ist die Therapie, die sie vorschlägt? Vor dem Beginn dieser 500 Jahre, in denen das moderne Leben entstand, lebten die Menschen in Europa unter der Autorität der Kirche und unter der Autorität der Könige und Fürsten, die alle Aspekte des Lebens beherrschten. Die Menschen mussten sich in eine vorgegebene soziale Ordnung einfügen. Diese feudale Ordnung wurde als von Gott gegeben verstanden, dessen Wille durch die Fürsten der Kirche und die weltlichen Fürsten fließt. Jeder hatte seinen Platz in dieser Ordnung zu akzeptieren. Es gab wenig Raum für individuelle Initiative, für Kreativität, für die Gestaltung des eigenen Schicksals oder für eine neue oder andere Art des Zusammenlebens.
Dann, vor 500 Jahren, begannen die Menschen in Europa, die Welt auf eine neue Weise wahrzunehmen, über ihre Beobachtungen nachzudenken, zu verstehen, wie die Dinge funktionieren, und ihre eigenen Schlüsse zu ziehen, sich ihr eigenes Urteil zu bilden. Sie begannen, sich auf eine neue Art und Weise für die Welt zu interessieren, Aspekte des Lebens und Teile der Welt zu entdecken, die sie nicht kannten. Und sie entdeckten, dass das, was sie für gottgegeben hielten, die Art und Weise, wie die Dinge waren, auch anders sein konnte, und dass die Menschen durch ihr Verständnis, ihre Intelligenz, die Art und Weise, wie sie ihr Leben organisierten, gestalten konnten. Plötzlich schien die Autorität der Fürsten und der Kirche nicht mehr von Gott gegeben zu sein.
Im Laufe dieser 500 Jahre gewannen die Menschen in Europa allmählich das Vertrauen, dass sie auf der Grundlage ihrer Vernunftfähigkeit, ihrer Rationalität, sich selbst regieren konnten. Sie brauchten keine Fürsten oder die Kirche, um über sie zu herrschen. Das Volk selbst, als Gemeinschaft rationaler Menschen, konnte eine «Regierung des Volkes, durch das Volk, für das Volk» bilden (wie Abraham Lincoln es 1863 formulierte; siehe Abraham Lincoln Presidential Library and Museum 2025). Und dieselbe Rationalität erlaubte es ihnen, die Natur, die Erde – und andere Menschen – zu erobern, unter Kontrolle zu bringen und auszubeuten!
Es setzte sich das Gefühl durch, dass die ‹Vernunft›, der ‹Verstand› die Eigenschaften sind, die uns eigentlich zum Menschen machen. Diese Vorstellung ist der Kern des Problems des modernen Menschen, des ‹Man›, wie Wynter (2003; auch in Scott 2000) ihn nennt. Die Entdeckung der Macht der individuellen Rationalität gab uns die Mittel und das Selbstvertrauen, uns von den unterdrückenden Mächten der Aristokratie und der Kirche, der feudalen Gesellschaftsordnung der Vormoderne, zu emanzipieren und eine Selbstverwaltung des ‹Demos› durch den ‹Demos› zu etablieren. Sie hat uns auch die Möglichkeit gegeben, eine Technologie und eine Wirtschaft zu etablieren, die wächst, die sich nicht nur selbst erhält, sondern die immer mehr von der Welt in ihre Sphäre holt, um die Produktivität zu steigern. Und sie befähigt den Einzelnen, seinen eigenen Lebensweg zu bestimmen, sich ein eigenes Urteil zu bilden und eigene Entscheidungen zu treffen.
Dieser Zustand ‹Man›, des instrumentell-rationalen Menschseins, schafft aber auch eine tiefe Spaltung: zwischen dem rationalen Menschen und allem anderen in der Welt. Der rationale Mensch ist der Eroberer, alles andere ist dazu da, erobert zu werden. Und was geschieht mit allen anderen? Wenn Rationalität der Kern dessen ist, was uns zum Menschen macht – wenn es das ist, was es bedeutet, ein Mensch zu sein –, dann können alle Menschen gleich an Rechten und Würde sein, aber eben nur solange sie mit Vernunft ausgestattet erscheinen.
Wir haben nun ein Bild des Menschen als ‹rationalen Menschen›, der nach Kontrolle strebt, und eine Welt ohne Seele, die es zu erobern und zu kontrollieren gilt. Das bedeutet aber auch, dass alle Menschen, die nicht in das Bild des ‹rationalen Menschen› passen, als nicht vollwertig angesehen werden und außerhalb der Idee von gleichen Rechten und gleicher Würde stehen. Aus der Sicht dieses materialistischen, rationalistischen, ‹entzauberten› Verständnisses des Menschseins werden die indigenen und traditionellen Kulturen und Zivilisationen der kolonisierten Länder, aber auch diejenigen innerhalb der westlichen Gesellschaften, die nicht den Anforderungen des ‹rationalen Akteurs› entsprechen – Menschen, die wir heute vielleicht als kognitiv behindert oder psychisch krank bezeichnen würden, aber auch Frauen, die als weniger rational angesehen wurden als Männer – nicht als volle und gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft anerkannt. Die moderne Zivilisation schafft einen äußeren und einen inneren ‹Anderen› und definiert sich selbst im Gegensatz zu diesen ‹Anderen›.
So lautet die Diagnose von Sylvia Wynter: Das materialistische, rationalistische Bild davon, was es bedeutet, ein Mensch zu sein – ein rationaler Akteur zu sein, der unabhängige Urteile bildet und die Welt erobert und beherrscht – hat es der modernen westlichen Zivilisation ermöglicht, die unterdrückenden Strukturen der Feudalgesellschaft abzuschütteln. Sie ermöglichte es dem Einzelnen, sich von einer unterdrückerischen Gesellschaftsordnung zu emanzipieren. Aber ihr Schatten ist die Ausbeutung der Erde und anderer Menschen, die Zerstörung alter und indigener Kulturen und die Marginalisierung und Ausgrenzung derjenigen innerhalb der modernen Zivilisation, die nicht in dieses Bild passen.
Was wir brauchen, so Wynter, ist ein neues Bild des Menschen, ein neues Verständnis davon, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Sie nennt dies eine ‹Wiederverzauberung des Humanismus› (‹Re-enchantment of Humanism›, Wynter in Scott 2000); man könnte auch sagen, eine (künstlerische) Re-Spiritualisierung des Humanismus. Das bedeutet nicht, zu einer vormodernen Sicht des Menschen zurückzukehren, sondern nach vorne zu gehen. Die Frage ist also: Wie können wir jenen Aspekt des Humanismus der europäischen Aufklärung erweitern und vertiefen, der die gleiche Würde aller Menschen anerkennen will, aber hinter seiner inklusiven Absicht zurückbleibt, weil er die Rationalität zum bestimmenden Merkmal des Menschseins macht?
Wie können wir ein neues und tieferes, inklusives Verständnis unseres gemeinsamen Menschseins finden, das die Unterschiede der westlichen und nicht-westlichen Kulturen transzendiert, sie integriert und die Vielfalt all der verschiedenen Arten, in denen Menschen verkörpert sind und als Menschen auf der Erde leben, einbezieht und würdigt: das gesamte Spektrum des leiblich präsenten Ausdrucks der Menschheit?
Für Wynter bedeutet die ‹Wiederverzauberung› des Humanismus, dass wir die spirituelle und die verkörperte Seite unseres Menschseins wieder integrieren, und damit auch die verschiedenen Arten des Wissens, die wir brauchen, um sie zu erkennen. Zu diesen Wissensformen gehören kontemplative, künstlerische und praktische Wissensformen. Und nur diese werden uns zu einem Verständnis des Menschseins führen, das die gesamte menschliche Erfahrung umfasst und einschließt.
Das bedeutet nicht, dass wir die Rationalität ablehnen. Vernunft und die Fähigkeit zu denken sind wichtige Fähigkeiten. Aber der Mensch ist in erster Linie ein Beziehungswesen. Was uns menschlich macht, ist, dass wir verkörperte spirituelle Wesen sind, die sich auf eine resonante Weise miteinander und mit der Welt verbinden wollen (siehe Rosa 2016). Diese relationale Sichtweise dessen, was es bedeutet, ein Mensch zu sein, ermöglicht es uns, die Rationalität als hilfreiche Funktion an ihren Platz zu stellen. Das instrumentelle Streben nach Kontrolle definiert uns jedoch nicht mehr. Stattdessen wird der Mensch als ein Wesen anerkannt, das mit der Erde, mit anderen Menschen und mit dem Kosmos in Beziehung treten kann. Ein Wesen, das der Welt begegnen und mit seiner eigenen Stimme auf die Welt antworten kann. So sieht die Herausforderung der inklusiven sozialen Entwicklung aus der Sicht einer jamaikanischen Philosophin, Tänzerin, Dichterin und Sozialwissenschaftlerin im 20. und 21. Jahrhundert aus.
Deutsche Romantik – die ‹Jenaer Konstellation›
Aus dieser Perspektive können wir sehen, dass Steiners Arbeit, die die Grundlage dieser Hochschule für Geisteswissenschaft ist, Teil eines größeren Projekts ist: der ‹Wiederverzauberung des Humanismus›, der Heilung der spirituellen Wunde der modernen Zivilisation – die sich von Europa aus über den ganzen Globus ausgebreitet hat. Wie Wynter will Steiner nicht in die vormoderne Zeit zurückkehren. Er will einen Weg finden, auf der Entdeckung des individuellen ‹Ichs›, des individuellen Geistes als eines freien und selbstwirksamen schöpferischen Wesens aufzubauen, aber in dieses Menschenbild all das wieder zu integrieren, was auf dem Weg verloren gegangen ist: die geistigen, die inneren und die leiblichen Dimensionen des Erlebens. Tatsächlich bedeutet ‹Anthroposophie›, die Weisheit, das Bewusstsein oder die Erkenntnis dessen, was es bedeutet, Mensch zu sein, in gewisser Weise fast dasselbe wie eine ‹Wiederverzauberung des Humanismus›: den Menschen als ein geistiges Wesen zu sehen, das eine leibliche Daseinsweise in der Welt lebt und durch den Leib in eine resonante Beziehung zur Welt tritt.
Hier, in Mitteleuropa, begann die Suche nach dieser ‹Wiederverzauberung des Humanismus› deutlich erkennbar um das Jahr 1800 in der Stadt Jena im Osten Deutschlands. Es ist dieselbe kleine Stadt, in der vor 100 Jahren eine kleine Gruppe junger Menschen das Heil- und Erziehungsinstitut für Seelenpflege-bedürftige Kinder Lauenstein gründete. Dies war das Heim, die Schule und die Gemeinschaft für Kinder mit Assistenzbedarf, aus der die weltweite Berufsgemeinschaft, die heute hier versammelt ist, erwachsen ist (siehe Frielingsdorf, Grimm & Kaldenberg 2013).
Etwas mehr als 100 Jahre vor der Gründung dieser Lauensteiner Gemeinschaft in Jena, mit der Hilfe Rudolf Steiners, hatte Johann Wolfgang Goethe, nach dem das Gebäude, in dem wir uns befinden, benannt ist, eine kleine Gemeinschaft von Männern und Frauen zusammengebracht, die mit der Universität Jena verbunden waren und schon damals auf der Suche nach der ‹Wiederverzauberung des Humanismus› waren. Diese Künstler:innen, Dichter:innen, Philosoph:innen und Wissenschaftler:innen waren 100 Jahre später in vielerlei Hinsicht die Inspiration für die Anthroposophie. Sie inspirierten auch die Idee der Heilpädagogik, die 1861, im Geburtsjahr Steiners, formuliert wurde: eine Pädagogik für alle Menschen und eine unterstützende Erziehung für Kinder, deren Weg durch den Leib in die Welt besonders herausfordernd ist und achtsame Aufmerksamkeit und Begleitung braucht.
Ich möchte nur zwei Mitglieder dieser Gemeinschaft in Jena, um 1800, hervorheben. Andrea Wulf (2022) hat ein wunderbares Buch über sie geschrieben, Magnificent Rebels [zu Dt.: Fabelhafte Rebellen]. 1800 war die Zeit kurz nach der Französischen Revolution: Das französische Volk hatte die tyrannische Monarchie gestürzt und die Macht der Kirche beschnitten. Die Revolutionäre hatten die alte Religion durch das ersetzt, was sie das «Fest/den Kult der Vernunft» nannten. Doch diese Herrschaft der Vernunft hatte sich in eine Schreckensherrschaft verwandelt. Was als Streben nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit begonnen hatte, war in brutale Gewalt umgeschlagen.
Was war schiefgelaufen? Wie konnte der rationale Humanismus der Aufklärung so schnell entzaubert werden? Friedrich Schiller, der berühmte Dramatiker und Freund Goethes, der damals Professor für Geschichte und Philosophie an der Universität Jena war, erkannte als einer der ersten, dass Rationalität alleine nicht die Grundlage wahrer Humanität, von Freiheit, Brüderlichkeit und Gleichheit sein kann. In seinen Briefen über die ästhetische Erziehung des Menschen (Schiller 1795 a,b,c) beschreibt er das ‹Spiel› als Ausgangspunkt und Urbild aller menschlichen Kultur und Bildung. Freiheit und schöpferisches Handeln werden möglich, wenn wir das Irdische und das Geistige, das Leben und die Form, durch unsere eigene Tätigkeit in ein ausgewogenes Verhältnis bringen. Das Spiel ist die Quelle aller Kunst, aller Kultur und Bildung. Es führt uns in ein Verhältnis zur Welt, das die Grenzen des Gegebenen anerkennt und zugleich neue Möglichkeitsräume für die Zukunft eröffnet. Für Schiller werden wir im und durch das Spiel ganz Mensch.
Für seinen jungen Studenten Friedrich von Hardenberg, der sich den Künstlernamen Novalis gab, wird eine andere Polarität wichtig: die zwischen Tag- und Nachtbewusstsein. Das Tagesbewusstsein ist unser waches, gewöhnliches ‹modernes› Bewusstsein. Das Nachtbewusstsein ist für Novalis jenes tiefere Bewusstsein, das uns mit einer inneren Bilderwelt, mit Imagination, Inspiration und Intuition in Berührung bringt – mit anderen und nach seiner Einschätzung tieferen Wegen des Erkennens als denen, die unserem Tagesbewusstsein zugänglich sind. In seinen Hymnen an die Nacht (Novalis 1910) erkundet er diese Schwelle – das Loslassen des rationalen Tagesbewusstseins und die Umwandlung unserer Beziehung zur Welt durch eine Art Tod und Wiedererwachen in ein Erleben der Wirklichkeit, das durch Imagination, Inspiration und Intuition vertieft wird. Durch diese ‹transrationalen› Formen der Erkenntnis können uns Ideen für die Zukunft kommen, während unser Tagesbewusstsein in dem stecken bleibt, was uns bereits vertraut ist.
Mit unserem rationalen Tagesbewusstsein, unserer instrumentellen Vernunft, können wir uns Ziele setzen, die auf dem basieren, was wir bereits wissen, und einen Plan ausarbeiten, wie wir dorthin gelangen. Aber wenn wir die Nacht in unser Bewusstsein einbeziehen, finden wir Intuitionen, die wie Samen für etwas völlig Neues sind, die etwas aus der Zukunft durch uns in den gegenwärtigen Moment kommen lassen.
Im 19. Jahrhundert, nach diesem Moment in Jena, entwickelten sich zwei Dinge: Einerseits beschleunigte die industrielle Revolution mit ihren Fabriken und Maschinen die Eroberung und Ausbeutung der Welt und der anderen Menschen, insbesondere derjenigen, die als ‹Andere›, als nicht völlig rationale Wesen erschienen, um den von der instrumentellen Vernunft gesetzten Zielen zu dienen. Dies führte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu der Vorstellung, dass es so etwas wie eine ‹allgemeine Intelligenz› gäbe, über die manche Menschen mehr, andere weniger verfügen, und dass dies den wahren Wert eines Menschen ausmache. Und dass Menschen, die nicht genug von dieser Art von ‹Intelligenz› haben, deren ‹IQ› zu niedrig sei, ‹wertlos›, ‹nutzlos› und eine Last seien. Diese Idee wird oft ‹Eugenik› genannt, nach Francis Galton, der sie formuliert hat (Galton 1909).
Gleichzeitig gab es andere, die sich von den Ereignissen in Jena um 1800 inspirieren ließen und in dieser ‹Wiederverzauberung des Humanismus›, diesem Versuch, die Heiligkeit des Menschseins wieder anzuerkennen, den Keim, die Intuition für eine menschlichere Kultur und Gesellschaft, eine menschlichere Zivilisation der Zukunft sahen. Einer derjenigen, die versuchten, diese ‹wiederverzauberte› Sicht des Menschen gesellschaftlich und praktisch fruchtbar zu machen, war Heinrich Marianus Deinhardt (1821-1880), der 1861, im Geburtsjahr Steiners, den Begriff ‹Heilpädagogik› prägte (vgl. Georgens & Deinhardt 1861). Er war in der Nähe von Jena aufgewachsen, hatte dort in der Nähe von Halle studiert und war ein Freund von Karl Julius Schröer, dem späteren Hochschullehrer Rudolf Steiners. Wir wissen nicht, ob Steiner ihn in Wien noch gesehen oder getroffen hat – er starb 1880 in Armut –, aber wir können annehmen, dass Schröer Steiner mit Deinhardts Werk bekannt gemacht hat (siehe Anthrowiki 2024).
In Deinhardts Arbeit sehen wir einige der Keime für eine inklusive soziale Entwicklung. Schon als junger Student in seinen 20ern interessierte er sich dafür, wie man eine neue, inklusive Gesellschaft schaffen könnte, in der sich Gemeinschaften von Menschen selbst regieren, basierend auf demokratischen Prozessen, an denen alle Mitglieder der Gemeinschaft teilnehmen können. Er dachte darüber nach, wie wirtschaftliche Prozesse in assoziativen und genossenschaftlichen Formen organisiert werden könnten, um sie in die Hände der unmittelbar Beteiligten zu legen. Und er erkannte, dass dazu jedes Mitglied der Gesellschaft Zugang zu einer wahrhaft menschlichen Bildung haben müsste; einer Bildung, die darauf ausgerichtet ist, das Potenzial jedes Einzelnen zu entwickeln und zu entfalten, um ein freier und kreativer Teilnehmer am gesellschaftlichen Prozess zu werden (Stöger 2017). Dies wäre eine Bildung, die von Schillers Idee des ‹Spiels› als Quelle aller menschlichen Kultur, der Kunst, der Erforschung und der schöpferischen Teilhabe an der Welt inspiriert ist: eine praktische Erziehungskunst, die die Entwicklung einer wahrhaft menschlichen Kultur der Zukunft unterstützt, trotz des unaufhaltsamen ‹Fortschritts› einer zunehmend mechanisierten Zivilisation (siehe Deinhardt 1861).
Später, während des Ersten Weltkrieges, sagte Steiner über ihn:
In Wien arbeitete Deinhardt mit Kindern mit verschiedenen Behinderungen und Entwicklungsschwierigkeiten sowie mit Kindern aus verarmten und sozial ausgegrenzten Verhältnissen. Er war zutiefst davon überzeugt, dass alle Kinder und alle Menschen zur Entwicklung fähig sind, dass jeder eine sinnvolle Beziehung zur Welt und zu anderen finden kann und dass dies – das Eingehen einer echten, sinnvollen Beziehung zur Welt und zu anderen – das ist, was es uns ermöglicht, als menschliche Wesen voll gegenwärtig zu sein.
Als Deinhardt 1861 über ‹Heilpädagogik› schrieb, war ihm vor allem eines wichtig, um seine ‹praktische Erziehungskunst› und seine Vision einer inklusiven Gesellschaftsentwicklung weiterzuentwickeln: ein grundlegend neues und praktisches Verständnis des Menschen als verkörpertes geistiges Wesen in der Welt; ein Verständnis, das alle Dimensionen des Menschseins in einem integralen oder transdisziplinären Bild zusammenführt. Er hatte das Gefühl, dass er noch nicht in der Lage war, dies zu entwickeln. Wie dies zu erreichen sei, war seine Frage an die Zukunft (Georgens & Deinhardt 1861).
Rudolf Steiners Heilpädagogischer Kurs
Als Steiner (GA 317) 1924 seinen Kurs über Heilpädagogik gab, bot er ein solches transdisziplinäres Menschenbild – in Form der Anthroposophie – als Grundlage für die Erziehung und Förderung von Kindern mit Entwicklungsstörungen an. Steiner stellt darin die kindliche Entwicklung als einen Prozess dar, in dem das Ich, die geistige Individualität, den eigenen Leib als Instrument für die Beziehung zur Außenwelt bildet. Gelingt dies, so dient der Körper als Resonanzorgan für die Wahrnehmung, durch das das Ich unmittelbar in der Welt präsent sein kann. Dies ist auch die Grundlage für ein Erlebnis der Selbstwirksamkeit: Das Ich nimmt die Welt wahr und hinterlässt durch seine verkörperte Präsenz seine Signatur in der Welt. Der Entwicklungsprozess, der dazu führt, ist jedoch ein sensibler und fragiler; er ist Störungen unterworfen, die ihren Ursprung in den Bedingungen der äußeren Welt, in den erblichen Gegebenheiten, die den Grundstein für die Fähigkeit des Ichs zum Aufbau eines neuen Körpers legen, oder in der geistigen Biographie des Ichs selbst haben können. Mit anderen Worten: Die Art und Weise, wie Kinder in die Welt kommen und ein resonantes Verhältnis zur Welt und Selbstwirksamkeit in der Welt aufbauen, ist immer durch die Vergangenheit bedingt, gleichwie sie auch immer die Möglichkeit einer radikal neuen Zukunft in sich trägt.
Steiner charakterisiert die Heilpädagogik als einen Prozess der Verwandlung von Karma. Dieser Gedanke ist für viele heute eine Herausforderung. Auf einer grundlegenden Ebene bedeutet es dies einfach: Zu jedem Zeitpunkt ist die Situation, mit der wir es zu tun haben, einschließlich ihrer Herausforderungen und begrenzenden Faktoren, das Ergebnis vergangener Ereignisse. Alles, was ist, ist durch vergangene Ereignisse entstanden. Dies gilt sogar für unsere physische Umgebung: Sie ist das verfestigte Ergebnis vergangener Prozesse. Einige dieser Bedingungen können mit einer Vergangenheit in Beziehung stehen, an der wir selbst beteiligt waren, aber es gibt auch sehr viele Aspekte und Umstände, die unser Leben bestimmen und die zu einer kollektiven Vergangenheit gehören, zu den Familien, Gemeinschaften und Gesellschaften, den Landschaften und Orten auf der Erde, die wir für unsere Inkarnation als Kontext wählen (siehe Göschel 2024).
Die Bedingungen, die wir aus der Vergangenheit geerbt haben, geben uns festen Boden unter den Füßen, aber sie geben uns auch Widerstand. Und wenn das alles wäre, wenn alles, was geschieht, nur eine Folge der Vergangenheit wäre, die ihre Wirkungen in einer Kausalkette fortsetzt, könnte es keine Freiheit geben. Aber in Steiners Menschenbild, wie er es auch in seinem Heilpädagogischen Kurs entwickelt, kommt es darauf an, dass wir in jedem Augenblick die Möglichkeit haben, einen ganz neuen Impuls in die Welt zu bringen, einen Samen der Zukunft zu pflanzen, der dann alles, was ist, verwandelt. Wir können etwas tun, wozu uns kein äußerer Grund zwingt; wir können eine Handlung zurückhalten, die wir getan hätten, wenn wir einfach unseren bisherigen Mustern, Gewohnheiten und Instinkten gefolgt wären, und wir können eine völlig offene und neutrale Haltung einnehmen, die einer Intuition von einer noch unbekannten zukünftigen Möglichkeit, die Wirklichkeit werden will, Raum gibt. Diese Geste des ‹Platzmachens für die Zukunft› ist es, was es bedeutet, Karma im Sinne Steiners zu transformieren.
An anderer Stelle spricht Steiner auch von Prinzipien und Qualitäten einer zukünftigen Gesellschaft, die noch im Keimstadium sind, die aber bereits als Möglichkeiten wahrgenommen werden können und mit denen wir in eben diesem Sinne arbeiten können, um der Zukunft unter den Bedingungen der Gegenwart Raum zu geben (vgl. GA 186, GA 257). Er charakterisiert diese zukünftige Gesellschaft als eine, die auf einer Kultur des Mitgefühls und der Empathie aufbaut, die in die Tat umgesetzt wird. Die Wahrnehmung der Erfahrung und des Leidens des Anderen wird so real werden, dass wir sie nicht mehr ignorieren können. Die Bedürfnisse des Anderen werden zu einer grundlegenden Tatsache des gesellschaftlichen Lebens. Dies geht einher mit einer Geste des bedingungslosen Respekts für die unantastbare Integrität des inneren Lebens des anderen. Es wird zur Erfahrung einer objektiven Realität werden, dass dieses innere Seelenleben des anderen einen Raum der Freiheit bildet, in den ich nicht eindringen darf. Und zum anderen werden neue und tiefere Erkenntnisweisen, die über die persönliche Perspektive und den eigenen Standpunkt hinausgehen, ohne diese zu negieren, Erkenntnisweisen, die zu einer Begegnung mit dem Wesen und der Essenz der Phänomene in der Welt führen, zu der pfingstlichen Erfahrung führen, dass wir letztlich alle in derselben gemeinsamen Wirklichkeit leben und uns über alle Unterschiede hinweg verständigen können. Diese Qualitäten einer zukünftigen Zivilisation, die bereits jetzt keimhaft entwickelt werden können, können als Leitprinzipien für eine inklusive soziale Entwicklung im anthroposophischen Sinne dienen.
Der Weg durch die Nacht
Was bedeutet all dies in Bezug auf das Dilemma der Vernunft, der Rationalität und der Autonomie des rationalen Individuums als Grundprinzipien der modernen Zivilisation, von denen wir ausgegangen sind? Sicherlich geht es, wie auch Sylvia Wynter (2003; auch in Scott 2000) betont, nicht darum, die Vernunft abzulehnen und zu einem vormodernen Verständnis von Mensch und Gesellschaft zurückzukehren. Eine solche ‹Romantik›, die sich nach einer Vergangenheit sehnt, in der der einzelne Mensch, so sehr er auch von einem spirituellen Verständnis des Menschen, der Erde und des Kosmos durchdrungen war, nur als Zelle in einem größeren Körper zählte, war auch definitiv nicht das, was die Jenaer Romantiker im Sinn hatten. Dezidiert individualistisch suchten sie stattdessen nach einem Weg, die Beziehungsmöglichkeiten des emanzipierten Ichs zur Welt zu erweitern, ohne seine emanzipatorischen Errungenschaften aufzugeben.
Für Novalis bedeutete dies, einen Weg zu finden, die ‹Nachtseite› unserer Erfahrung wieder in unsere Beziehung zur Welt zu integrieren (siehe Wulf 2022). Das moderne Bewusstsein ist durch eine Kontraktion unserer Erfahrung auf ihre ‹Tagseite› entstanden: Das ist es, was instrumentelle Rationalität ausmacht. In der instrumentellen Rationalität ist mein Bewusstsein in und für die äußere, physische und sinnlich wahrnehmbare Welt voll präsent. Dieser wache oder ‹aufgeklärte› Zustand wird erreicht, indem alle Erfahrungen, die nicht durch die Sinne vermittelt sind, und alle anderen Arten des Wissens als die rationale, die in der Lage ist, kausale Beziehungen innerhalb der äußeren, sinnlich wahrnehmbaren Welt zu verstehen, ausgeschlossen werden. Das bedeutet aber auch, dass es sich um eine Art des Erkennens handelt, die grundsätzlich durch die Vergangenheit bedingt ist, in Form der bereits vorhandenen äußeren Tatsachen und der Kausalketten, die von ihnen in die Zukunft wirken. Sie ist nicht in der Lage, die Quellen der schöpferischen Intuition, Fantasie und des schöpferischen Handelns zu erschließen, durch die der Keim einer anderen Zukunft in die Welt gebracht werden kann.
Unter diesem Gesichtspunkt macht es Sinn, dass Steiner die Punkt-Kreis-Meditation als zentrale Mediation für diejenigen einführt, deren berufliche Aufgabe in der Heilpädagogik und der inklusiven sozialen Entwicklung liegt. Die Punkt-Kreis-Meditation ist eine Möglichkeit, den Weg durch die Nacht zu gehen, die Quellen der Intuition, Inspiration und Imagination in unser tägliches Handeln zu integrieren, im Sinne dessen, was Novalis und Wynter suchen. Es ist eine Meditation zur Unterstützung der ‹Wiederverzauberung des Humanismus› (Wynter in Scott 2000); der Heilung der Wunde der Moderne und damit vielleicht auch des schwierigen Erbes des Westens. Ein wiederverzauberter Humanismus im Sinne Wynters baut auf den emanzipatorischen Impulsen auf, die es dem einzelnen Menschen ermöglichten, in seiner Handlungsfähigkeit und seinem individuellen Handeln in der Welt anerkannt zu werden. Er erreicht eine tiefere Emanzipation, indem er das Individuum von dem begrenzten Begriff individueller Handlungsfähigkeit befreit, das einem instrumentellen Verhältnis zur Welt innewohnt: dem der Beherrschung und Kontrolle über die äußeren Umstände. Stattdessen erweitert sie die Möglichkeiten um moralische Intuition, moralische Imagination und moralische Technik im Sinne von Steiners Philosophie der Freiheit (GA 4) und die Möglichkeit, Karma zu verwandeln, also die Zukunft in der Gegenwart erscheinen zu lassen, auf die Steiner in seinem Kurs über unterstützende Erziehung (GA 317) hindeutet.
Diese Fähigkeiten beruhen auf der Entwicklung einer resonanten Beziehung zu anderen und zur Welt, die nicht auf Beherrschung und Kontrolle fußt. Diese resonante Beziehung ist es, die den Raum zwischen Ich und Du öffnet, in dem etwas Neues gegenwärtig werden kann (siehe Rosa 2016). Sie führt von einer rein individualistischen zu einer relationalen Sichtweise dessen, was es bedeutet, ein Mensch zu sein; eine Sichtweise, die die Fähigkeit zur Beziehung und zur Schaffung von Zwischenräumen als grundlegend anerkennt, sogar grundlegender als Vernunft und Rationalität, ohne die Nützlichkeit der beiden letzteren zu leugnen. Dieses Verständnis, dass wir verkörperte geistige Wesen sind, die in ihren Beziehungen zueinander, zur Erde und zum Kosmos nach Resonanz und Handlungsfähigkeit suchen, bildet die Grundlage für die Art von Heilpädagogik und inklusiver sozialer Entwicklung, die wir hier gemeinsam entwickeln können.
Literatur:
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Frielingsdorf V., Grimm R. & Kaldenberg, B. (2013): Geschichte der anthroposophischen Heilpädagogik und Sozialtherapie: Entwicklungslinien und Aufgabenfelder 1920-1980. Verlag am Goetheanum & Athena Verlag, Dornach & Oberhausen.
Galton, F. (1909): Essays on Eugenics. The Eugenics Education Society, London.
Georgens, J.-D. & Deinhardt, H.M. (1861): Die Heilpädagogik. Mit besonderer Berücksichtigung der Idiotie und der Idiotenanstalten. Erster Band. Fleischer., Leipzig.
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Novalis (1910). Hymnen an die Nacht. Die Christenheit oder Europa. Insel-Verlag, Leipzig
Rosa, H. (2016). Resonanz: Eine Soziologie der Weltbeziehung. Suhrkamp, Berlin
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Schiller, F. (1795b). Ueber die ästhetische Erziehung des Menschen. In: Schiller, F. (Hrsg). Die Horen. Band 1, 2. Stück. Tübingen; 51–94
Schiller, F. (1795c). Die schmelzende Schönheit. Fortsetzung der Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen. In: Schiller, F. (Hrsg). Die Horen. Band 2, 6. Stück. Tübingen; 45-124
Scott, D. (2000). The Re-Enchantment of Humanism: An Interview with Sylvia Wynter. Small Axe 8, 119-207
Steiner, R. (2021). Die Philosophie der Freiheit (GA 4). Rudolf Steiner Verlag, Basel
Steiner, R. (1990). Die soziale Grundforderung unserer Zeit. In geänderter Zeitlage (GA 186). Vortrag vom 12.12.1918. Rudolf Steiner Verlag, Dornach
Steiner, R. (2023). Zur Geschichte der Anthroposophischen Gesellschaft 1913-1922 (GA 251). Vortrag vom 12. Juni 1917. Rudolf Steiner Verlag, Basel
Steiner, R. (1989). Anthroposophische Gemeinschaftsbildung (GA 257). Vorträge vom 27.02.1923, 28.02.1923, 03.03.1923, 04.03.1923. Rudolf Steiner Verlag, Dornach
Steiner, R. (2024). Heilpädagogischer Kurs (GA 317). Rudolf Steiner Verlag, Basel
Stöger, C. (2017). Die Idee der Demokratie von 1848: Studien zu Heinrich Deinhardts frühem Leben und Werk (1821-1851). Klinkhardt, Bad Heilbrunn
Wulf, A. (2022). Magnificent Rebels: The First Romantics and the Invention of the Self. Alfred A. Knopf, New York
Wynter, S. (2003). Unsettling the Coloniality of Being/Power/Truth/Freedom: Towards the Human, After Man, Its Overrepresentation – An Argument. The New Centennial Review, Volume 3, Number 3, 257-337 (https://doi.org/10.1353/ncr.2004.0015).