Dies ist ein Bericht von der Fortbildung mit dem Schwerpunkt Mittelstufe am Seminar für Waldorfpädagogik Frankfurt am Main vom 11. bis 13. Mai 2026 mit Carola Adam-Roettig, Merten Roettig (beide früher an der Michael-Schule Frankfurt) und Moritz Jehle (Institut Eckwälden). Hier berichten zwei Teilnehmerinnen: Constanze Spieker, Lehrerin an der Albrecht Strohschein Schule in Oberursel (DE) und Cornelia Sachse, Lehrerin an der Odilienschule in Mannheim (DE).
Unterrichtende aus den unterschiedlichsten Gegenden Deutschlands, aus der Schweiz, den Niederlanden, Korea, Ungarn und Kanada kamen zu dieser Fortbildung – es entstand ein buntes und fröhliches Miteinander.
Was hat uns erneut (einige von uns kamen zum fünften Mal) nach Frankfurt zum Ehepaar Roettig gebracht? Es ist der Wunsch, Unterstützung von erfahrenen Pädagog:innen im Bereich ‹Eurythmie, Heilpädagogik und Sozialpädagogik› zu bekommen. Wir haben anhand von inspirierenden Ideen und Beispielen erlebt, wie eine gesunde Pädagogik sein kann. Zudem haben wir noch einen gut gefüllten Koffer voller Material (Noten, Verse und Übungen) mitgenommen. Der Austausch mit Kolleg:innen, welche täglich neue Herausforderungen erleben, wenn sie Erfahrungen im Förderschulbereich mit so unterschiedlichen Schülern und Schülerinnen sammeln, ist ein sehr wertvolles Geschenk und eine Bereicherung für die eigene eurythmische Tätigkeit. Das Lernen voneinander und miteinander stand an erster Stelle, Freude erfüllte den Raum.
Carola Adam-Roettig begann die erste Einheit mit einer Überleitung von der Unterstufe zur Mittelstufe mit einem Anfangsspruch:
Den Starken besiegen
Ist wahre Kraft.
Sich selber beherrschen
Ist höchste Kraft
Dem anderen helfen
Ist beste Kraft.
(nach Laotse)
Mit einem kleinen musikalischen Lauf- und Hüpfstück für die Unterstufe begannen wir uns in Bewegung zu setzen, um dann dieselbe Übung mit einem neuen Schwierigkeitsgrad für die Mittelstufe fortzuführen.
Zuerst widmeten wir uns dem ‹heiteren und elegischen Auftakt› als Therapeutikum im Hinblick auf Leichte und Schwere im Seelischen. Wie ist es, wenn das Herz leicht oder schwer ist? Wie fühlt sich das an? So bewegten wir die beiden Auftakte und tauschten uns darüber aus.
Ein Vortrag von Moritz Jehle führte uns fein und professionell mit menschenkundlichem Hintergrund in die wesentliche Entwicklung in der Mittelstufe ein und schuf so neue Blickwinkel und Bezüge. Das Überschreiten des Rubikon und die Entwicklung der Atemreife bis hin zur Erdenreife sind zum Beispiel Themen, die nicht nur für Schüler:innen der Sonderpädagogik relevant sind: Es ist für die Heranwachsenden in dieser Altersstufe schwer zu erkennen, was in ihnen in dieser Phase wirklich vor sich geht. Dies gilt umso mehr, wenn solche Entwicklungsschritte durch unterschiedlichste ‹Hemmschwellen› nicht vollständig durchgemacht werden können. Ist es möglich, solche Entwicklungsschritte nachzuholen? Ja, es ist möglich und natürlich braucht es hierfür viel Zeit und das entsprechende Wissen um die individuellen Besonderheiten der Kinder.
Dies gilt umso mehr und ganz besonders im Bereich der Heilpädagogik. Da ist es eine Hilfe zu wissen, wo man ansetzen kann! Moritz Jehle hat mit seinen interessanten Beispielen aus der alltäglichen Praxis, seinem wachen, forschenden Blick in seinen Beobachtungen und verschiedenen Literaturempfehlungen unser eigenes Wissen und unsere Erfahrungen zu den Themen Rubikon, Atemreife und Erdenreife wesentlich erweitert. – Dankeschön!
Fast zwei Tage lang konnten wir uns danach mit Merten Roettig praktisch und im Gespräch auf die Mittelstufe konzentrieren. Zunächst behandelten wir die Klassen 5 bis 7. Wir begannen mit dem «Wolkendurchleuchter» – gleichsam als Anfangsbitte für unser Treffen. Sowohl für die Mittelstufe, aber auch für die Oberstufe ist dies eine wertvolle pädagogische Einheit, die Erinnerungen an unsere geistige Heimat wachruft.
Mit Merten Roettig haben wir viele kleine, aber kostbare Sprüche eurythmisiert, die entweder am Anfang oder auch am Ende einer Schulstunde stehen können. Immer war Merten Roettigs Schalk und Humor zugegen und dieser führte zu wunderbar viel Leichtigkeit! Es kommt, um pädagogisch erfolgreich zu sein, eben nicht nur auf das ‹Was›, sondern zu einem ganz wesentlichen Teil auf das ‹Wie› an, damit der Unterricht gelingt!
Im weiteren Verlauf machten wir verschiedene Stabübungen mit unterschiedlichen Rhythmen, die besonders in dieser Altersstufe sinnvoll und gut umzusetzen sind. Statt der Kupferstäbe kann der Rhythmus beispielsweise auch mit Kugeln geübt werden.
Herr Roettig machte noch eine besondere Übungseinheit, nämlich zum Tierkreis, «unserer Quelle», wie Herr Roettig betonte. Er führte uns durch die Tierkreisbilder und die Planetenvorbewegungen, wobei er bei jeder von der Sonne ausging. Ich persönlich bin auf diese Weise noch nie durch den Tierkreis gegangen und war begeistert. Vor jedem Tierkreisbild war der Impuls der Sonne spürbar. Was für eine tolle Erfahrung!
Für die Klassen 8 und 9 behandelten wir die Bildersprache der Balladen, die in dieser Altersstufe heilend wirken kann. Bilder können durchs gesprochene Wort geschaffen werden, aber auch Hilfsmittel der Bühnenkunst können das Geschehen einer Ballade verstärkt erlebbar machen. So haben wir unter anderem die Ballade von C. F. Meyer: «Ja» mit einfachen, durch Stäbe und Stoff bewegten Engels- und Teufelsflügeln interpretiert. Das war für uns alle eine starke Impression!
Unter dem Motto «Perlenausstellung» haben wir am Schluss eigene mitgebrachte Stücke aus unserem Unterricht vorgestellt. Im Abschlussgespräch und im Rückblick war es allen wichtig, dem Ehepaar Roettig und Herrn Jehle unseren herzlichen Dank für die anregenden Tage auszusprechen. Das Ehepaar Roettig regte an, ein nächstes Treffen in eine Art ‹Symposium› zu überführen, zu dem alle Unterrichtenden aus ihren eigenen reichhaltigen Erfahrungen zu vorher verabredeten Themen beitragen würden. Zur Vorbereitung bildete sich eine kleine Gruppe aus den Teilnehmenden. Als Termin ist der 3.–5. Mai 2027 vorgesehen.
Kontakt: cornelia.sachse@t-online.de
Bilder: Roettig/Sachse/Bossenmaier
Am 23.03.2027 wird im Rahmen der ‹Internationalen Eurythmie-Fachkonferenz 2027› ein Fachtag zu ‹Eurythmie mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Assistenzbedarf› mit Laura Mönkemeyer, Moritz Jehle und Sonja Zausch angeboten.
Mehr Informationen: https://srmk.goetheanum.org







