Wege zur Qualität. Soziale Bedingungen qualitativer Arbeit

Der «sich entwickelnde Mensch» zwischen Standardisierung und Willkür

Autor: Andreas Fischer

Verlag: Anthrosocial*

 

 

Wie ist Qualität in der sozialen Arbeit zu definieren? Was macht ‹gute› soziale Arbeit aus und wem steht es zu, dies zu beurteilen? Wie, durch wen, wann und anhand von welchen Kriterien lässt sich Qualität in der sozialen Arbeit bestimmen?

Die Komplexität dieser Fragen wird schnell klar, wenn man sich an die eigene Schulzeit zurückerinnert. Im Rückblick haben viele eine klare Vorstellung davon, welche Lehrende sie in der eigenen Entwicklung unterstützten, welche schulischen Ereignisse und Elemente sie wirklich weiterbrachten. Wie viele dieser im Rückblick bewusst gewordenen Aspekte ‹guter Schule› hätten wohl in einer Qualitätsuntersuchung oder Schulevaluation Erwähnung gefunden? Der eigene Referenzrahmen und die daraus resultierenden Rückschlüsse auf ‹gute Schule› sind höchst subjektiv, situativ und in der zeitlichen Perspektive wandelbar. Teilweise ist uns das zwar präsent und dennoch sind wir bei der Diskussion um ‹Schul- und Unterrichtsqualität› schnell mit passenden Ratschlägen, Erwartungen und Anforderungen zur Stelle – sei es um der eigenen Kinder willen oder ganz allgemein für die Zukunft der Gesellschaft. Aufgrund des kurzen Gedankenspiels ‹gute Schule› wird klar, dass man sich bei der Frage nach Qualitätsverfahren im Bereich von Sozialer Arbeit auf eine vielschichtige Thematik einlässt.

Fischer stellt in seiner Einführung zu Wege zur Qualität das Verfahren in den wesentlichen Grundzügen vor. Die Frage nach Qualität wird gegenüber dem langläufigen Begriff der Qualitätssicherung abgegrenzt und die dem Verfahren inne liegende Logik der sozialen Bedingungen wird vorgestellt. Dabei kommt die Frage der sozialen Bedingungen für qualitative Arbeit vor der Frage nach den äusseren Merkmalen oder Standards, aufgrund derer Rückschlüsse auf qualitative Arbeit gezogen werden.

Wege zur Qualität wird als ein Verfahren vorgestellt, das die geeigneten Grundlagen für Qualitätsentwicklung schafft. Es stellt dafür die Betroffenen der sozialen Arbeit, die Klientel sowie die Mitarbeitenden mit Begleitauftrag ins Zentrum der Betrachtung und geht von einer wechselseitigen Entwicklung, ja Bedingtheit aus. Ein Gedanke der vor dem Beispiel ‹gute Schule› sofort ersichtlich wird: Bei ‹Fritz und Frau Meier› sind es andere Elemente wie bei ‹Fränzi und Herr Müller› die eine gute Schulzeit ausmachen. Herr Müller hätte vielleicht nicht wie Frau Meier handeln können, doch für alle vier lässt sich bestimmen, welche Bedingungen z. B. an Vertrauen, Schutz, Freiheit und Können ‹gute Schule› ermöglichen und wie die ‹Beziehungsdienstleistung› zwischen den Beteiligten eingebettet sein muss, damit für beide Seiten eine gesunde Entwicklung möglich wird.

Das Verfahren Wege zur Qualität umfasst zwölf Felder, welche die Einflusskräfte auf qualitative Arbeit beschreiben. Dem Autor gelingt es eindrücklich, diese zwölf Felder im Überblick darzustellen und in der Gegenüberstellung der jeweils in Beziehung stehenden Felderpaare die Verbindungen und den vertieften Gesamtzusammenhang verständlich herauszuarbeiten. Die einfache Sprache und praxisbezogene Beispiele – wen wunderts wird hier auch mal ein Skilager zur Hilfe genommen – helfen der Leserschaft in die Auseinandersetzung mit dem Thema einzusteigen. Der Spagat zwischen Vereinfachung und Banalisierung ist dem Autor ganz im Sinne von Feld neun, Individuelle Entwicklung gelungen: «Nur wer bereit ist, sich selbst zu entwickeln, kann andere Menschen in ihrer Entwicklung begleiten». Die entwicklungsbereiten Lesenden erwartet mit der vorliegenden Einführung eine anregende, vielschichtige und doch kurzweilige Lektüre, die Lust auf erste Schritte und weitere Vertiefung auf den Wegen zu Qualität macht.


*Hinweis: Zu beziehen bei der Stiftung Wege zur Qualität für sFr. 5.- plus Versandspesen, stiftung@wegezurqualitaet.info

Stefan Büchel
Stefan Büchel

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