Gelebte Vielfalt

Mit «Gruppenfoto» feierte Anfang Juni ein einzigartiges Theaterstück Premiere im Neuen Theater Dornach. Unter der Regie des Basler Schauspielers Rowan Blockey und mit Unterstützung von Damian Bright, Performer mit Trisomie 21 und ehemaliger Schauspieler des renommierten Theaters Hora für inklusive Bühnenkunst, brachte ein Ensemble der Sonnhalde Gempen ein Stück auf die Bühne, das den Mut zur Vielfalt und Kreativität würdigt und stärkt.

Eine bunt gemischte Gruppe strandet an einem Ort, an dem sie eigentlich nicht sein sollte – und muss gemeinsam einen Weg aus dem Desaster finden. Diese Ausgangssituation bildete den dramaturgischen Kern des inklusiven Theaterprojekts der Sonnhalde Gempen. Herrscht zu Beginn die pure Spielfreude, werden die Töne im Verlauf des Stückes nachdenklicher. Die Schauspielenden gewähren Einblicke in ihr Leben und erzählen von Schicksalsschlägen, die den Zuschauerinnen und Zuschauern im Gedächtnis bleiben. Seit September 2024 probten zwölf Personen aus dem Erwachsenenbereich der Sonnhalde Gempen unter professioneller Anleitung von Rowan Blockey (Regie, künstlerische Leitung) und Damian Bright (Mentoring/ Double Theater) an einer Theaterproduktion. Unterstützt wurden sie dabei von Mitarbeitenden und der UK-Fachstelle (Fachstelle für Unterstützte Kommunikation) der Sonnhalde Gempen. Die Produktion bot einen sicheren Raum für Flexibilität, Fantasie und Teamgeist. Hier wurden individuelle Stärken sichtbar – unabhängig von Unterstützungsbedarf oder Beeinträchtigung.

Die Sonnhalde Gempen als Lebens- und Lernort

Die Sonnhalde Gempen engagiert sich seit über 50 Jahren auf anthroposophischer Grundlage für Menschen mit besonderen Bedürfnissen, insbesondere aus dem Autismus-Spektrum. Ihr Angebot reicht von Kindergarten und Schule über Ausbildung und Arbeit bis hin zu vielfältigen, bedarfsorientierten Wohnformen. Im Mittelpunkt stehen Selbstbestimmung, Teilhabe und persönliche Entwicklung. Die Tagesstätten am Standort Gempen bieten Erwachsenen mit Assistenzbedarf eine sinnstiftende Tagesstruktur – besonders in handwerklichen und kreativen Bereichen.

Mit dem inklusiven Theaterprojekt hat die Sonnhalde keine gänzlich neue Welt betreten – vielmehr wurde der Blick geweitet und dadurch neue Zugänge zur Teilhabe geschaffen. Die Teilnahmebedingungen waren bewusst niedrigschwellig – zwei Vormittage pro Woche sowie die Bereitschaft und Fähigkeit zur Gruppenarbeit genügten. Die Theaterwerkstatt, die zunehmend an Attraktivität gewann, wuchs von sechs auf zwölf Teilnehmende und wurde von einem engagierten Team aus Arbeitsagog:innen und Fachpersonen begleitet. Die enge Zusammenarbeit mit den externen Experten und der UK-Fachstelle sowie gezielte agogische Ansätze in der Theaterarbeit schufen das unterstützende, kreative Umfeld, in dem künstlerisch und entwicklungsfördernd gearbeitet werden kann.

Theater als Motor für Entwicklung und Inklusion

Der Weg von den ersten Proben bis zur Premiere war geprägt von Herausforderungen, Teamgeist und vielen Lernerfolgen für alle Beteiligten. Flexibilität, gegenseitige Unterstützung und die Nutzung von Synergien am Standort Gempen trugen maßgeblich zum Gelingen bei. Immer mehr zeigten die Teilnehmenden Selbstvertrauen und Ausdauer und wuchsen über sich hinaus. Das Projekt wurde zu einem Ort, an dem echte Inklusion nicht nur angestrebt, sondern gelebt wurde.

Wie geht es weiter?

Die Zukunft bleibt offen, doch das große Interesse bestärkt das Team in der Idee, das Theaterprojekt in eine reguläre Werkstatt zu überführen. Ob weitere Produktionen dieser Größenordnung möglich sind, hängt auch von der Unterstützung durch Gönnerinnen und Gönner ab. Klar ist: Das Projekt hat Türen geöffnet – für mehr Freiräume, mehr Teilhabe und mehr Mut zum Neuen.

 

Kontakt: Sonnhalde Gempen, www.sonnhalde.ch

Fotos: Victor Hege