Die FRIENDs Community ist eine Camphill-inspirierte Gemeinschaft in Muaklek, einer kleinen Stadt zweieinhalb Stunden nordöstlich von Bangkok. 1997, vor unseren Anfängen, kaufte Suphot Teerasawad das heutige Land, ohne zu wissen, dass es eines Tages vielen Familien und Menschen mit besonderen Bedürfnissen Raum und Unterstützung bieten würde. Damals war Milchwirtschaft die Hauptaktivität. Später stellte die Familie Teerasawad fest, dass ihr jüngster Sohn Tanayu am Cri du chat-Syndrom leidet, einer seltenen genetischen Störung. Tanayus Mutter Suwannee begann nach Möglichkeiten zu suchen, wie sie mit ihrem Kind gesund leben und Tanayus Zustand verbessern konnte. Damals gab es keine Suchmaschinen wie heute, doch ‹Camphill› war eines der ersten Stichworte, auf das sie stieß. Auf diesem neuen Lernweg entdeckte sie die Anthroposophie. Sie beschäftigte sich intensiv mit anthroposophischen Themen und beschloss 2015, fast 20 Familien zusammenzubringen, um sechs Wochenenden lang gemeinsam anthroposophisch orientierte Aktivitäten zu gestalten. Am Ende des Jahres waren sich alle Mitglieder einig, dass sechs Wochenenden nicht ausreichten. Daher wurde das Angebot 2017 von 6 auf 24 Wochenenden erweitert, darunter ein Schultag und Ausflugstage.
Die Gemeinschaft unternimmt in der Regel einen besonderen Ausflug pro Jahr. 2016 nahmen die Mitglieder am ‹3. Thailand-Kongress für Menschen mit besonderen Bedürfnissen› teil. Eine der inspirierenden Reisen der Gruppe führte zum ersten Weltkongress in Russland 2017. Die Geschichte eines Partners mit Down-Syndrom, der eine Bäckerei besaß und Pflegekräfte einstellte, um sich um ihn und sein Geschäft zu kümmern, war besonders inspirierend. Weitere Eindrücke entstanden durch den Besuch der Peaceful Bamboo Family in Vietnam 2018 und durch die Teilnahme an einem internationalen Treffen der Camphill-Bewegung in Vietnam 2019. Wenn wir sehen, was andere tun, haben wir uns immer gefragt: «Machen wir es richtig?» Jetzt können wir uns diese Frage beantworten. Während unseres Vietnam-Besuchs erkannten wir, dass wir noch mehr Grundprinzipien und Kenntnisse brauchten, um einen praxisorientierteren Ansatz zu schaffen. Also luden wir Becky Rutherford nach Thailand ein, um Heilpädagogik und Sozialtherapie bei uns zu unterrichten. Während der Pionierphase gab es viele Herausforderungen durch Außenstehende, die unsere Art der Interpretation und Integration anthroposophischer Ansätze in das Gemeinschaftsleben anzweifelten. Aber wir haben auf den Prozess und die Grundprinzipien vertraut und nun liegen die Ergebnisse unserer Arbeit vor uns: im Alltag, in der Transformation von uns selbst als Eltern, Lehrkräfte und Betreuer:innen. Wir wachsen alle gemeinsam in unserem eigenen Tempo.
Nach vielen Gesprächen während der Treffen der Camphill-Bewegung in Vietnam sind wir zu der Erkenntnis gekommen, dass es keine ‹richtigen› oder ‹falschen› Wege gibt. Niemand kann das wirklich beurteilen. Es hängt vom Kontext, der Kultur und den Menschen in einer bestimmten Gemeinschaft ab. Die Botschaft, die wir in unseren Herzen tragen, lautet: «Macht weiter, was ihr macht, wandelt euch weiter.» Das sind die wichtigsten Dinge: Mut zu haben und den Willen, das zu tun, was nötig ist.
Im Jahr 2020, als wir mit dem COVID-19-Lockdown konfrontiert waren, verlangsamte sich alles. Außerhalb der Gemeinschaft schien überall Chaos zu herrschen. Das Leben innerhalb der Gemeinschaft verlief jedoch weiterhin friedlich. Die Gemeinschaft wurde zu einem Zufluchtsort für andere. Bei uns ist es wichtig, dass alle Stimmen gehört werden, und so wurden die Richtung und die Zukunft nach der Pandemie unter den Mitgliedern diskutiert. Wir einigten uns, dass wir weiter an der Wochenendschule und der Sozialtherapie für Familien mit jugendlichen Angehörigen mit besonderen Bedürfnissen arbeiten und einen dritten Ausbildungskurs eröffnen würden, um mehr Lehrpersonen und Betreuer:innen auszubilden, die die gleichen Perspektiven verstehen und verfolgen. Im Zentrum dieser Zukunft steht das Wachstum jedes einzelnen jugendlichen Mitglieds unserer Gemeinschaft.
Heute hat die FRIENDS Community 23 Mitglieder und vier Familien, die sich entschieden haben, hier zu wohnen. Ein Familienmitglied, Vutika, hat gerade mit Hilfe von Herrn Suphot, einem Landbesitzer und ehemaligen Bauingenieur, ihr eigenes Haus gebaut. Vutikas Sohn Tanupat, der autistisch ist, half selbst beim Bau seines Hauses. Wenn man Tanupat danach fragt, ist er sehr froh und sagt: «Ich bin stolz auf mich.» Sein Traum war es, Ingenieur zu werden. Eine regelmäßige Aufgabe, die Tanupat übertragen wurde, ist das Herstellen von Ziegeln, was ihm hilft, Ruhe zu finden. Er erklärt: «Ich bin sehr glücklich und unbeschwert, wenn ich Ziegel herstelle, und ich verdiene auch Geld mit dem Verkauf.» Die Ziegel werden an die Gemeinschaft verkauft und für die Anlage eines Gartens in der Nähe des Klassenzimmers verwendet. Er sagt: «Mit diesem Geld gehe ich auf Reisen.» Wenn er über sein Leben in der Gemeinde spricht, leuchten seine Augen. Durch seinen Aufenthalt hier konnten seine Träume wahr werden. Zu Beginn war es für Tanupat nicht einfach; es erforderte Geduld und Zeit, sein Leben an den Rhythmus der Gemeinde anzupassen.
Das Gleiche gilt für Tanayu. Auf die Frage, was ihm Freude macht, antwortet er: «Freitagskreis Cool Cool.» Das bezieht sich auf das Barbecue am Freitagabend, dem er selbst den Namen gegeben hat. Und außerdem meint er noch: «… und auch die Werkstatt.» Tanayu wollte schon immer Werkstatt-Leiter werden, deshalb bieten wir ihm einen Platz als Lehrassistent in der Werkstatt an. Er freut sich auf den bevorstehenden Stundenplan und ist sehr begeistert, wenn die Gemeinschaft Unterricht und Veranstaltungen organisiert. Letztes Jahr gab es in der Gemeinschaft ein besonderes kulturelles Ereignis, bekannt als ‹Segenszeremonie für das neue Haus›. Es war für das Haus von Korakot, einem großen Bruder von Tanayu. Die Gemeinschaft lud neun Mönche ein, um das Haus mit Weihwasser zu besprengen. Es war ein sehr seltenes Ereignis. Für Korakot und seine Familie ist die Zeremonie sehr heilig und rein. Die Mönche, die diesen Dienst verrichteten, kamen aus dem Tempel, in dem alle unsere Mitglieder mit besonderen Bedürfnissen ordiniert wurden.
Die Einladung der Mitglieder zu wichtigen Veranstaltungen ist Teil der sozialen Inklusion hier. Dazu gehört auch eine ‹Geburtstags-Segenszeremonie›. Alle Mitglieder sprechen einen Segen aus und zünden Kerzen an für jeden, der 21 Jahre alt wird. Diese Zeremonie markiert den Wendepunkt zum vollwertigen Erwachsensein. Letztes Jahr begrüßte die Gemeinschaft auch ein Neugeborenes, Puri. Sein Vater Korakot versammelte alle Mitglieder zu einer ‹Plazenta-Begräbniszeremonie›, als Puri ein Jahr alt wurde. In Thailand glaubt man, dass ein Kind sein Zuhause nie vergessen wird, wenn man die Plazenta unter einem großen Baum begräbt, und dass es diesem Ort irgendwann, wenn es erwachsen ist, einen Gefallen erweisen wird.
In den kommenden Jahren werden wir unsere geplanten Unterrichtsaktivitäten wie Gartenarbeit, Kochen, Landwirtschaft und Handwerk für 14- bis 20-Jährige fortsetzen. Die über 21-Jährigen können die Lehrpersonen bei ihrer Arbeit unterstützen. Die aktuelle Idee für 2027 ist, den Raum für jüngere Menschen mit besonderen Bedürfnissen im Alter von 8 bis 13 Jahren zu erweitern. Zusätzlich zur Wochenendschule veranstaltet die FRIENDs Community ein jährliches Landwirtschaftscamp für viele Waldorfschulen. Es ist uns eine Ehre, ein wichtiger Teil der anthroposophischen Gesellschaft Thailands zu sein. Wenn wir unsere Mitglieder nach den Gründen fragen, warum sie sich bei uns niederlassen, bestätigen viele, dass sie sich hier sicher fühlen. Die Gemeinschaft vermittelt nachhaltiges Wissen, sodass sie sich um ihre Kinder mit besonderen Bedürfnissen kümmern können. Viele sind sich auch einig, dass sie hier eine hohe Lebensqualität haben, ein Leben mit Zukunft, einer beruflichen Perspektive und der Chance, sich selbst zu verändern. Typischerweise sind thailändische Gemeinschaften Gemeinschaften des Teilens. Die FRIENDs Community betont diese Kultur. Wir haben Spaß daran, gemeinsam Brot zu backen, neue Rezepte auszuprobieren, Bäume zu pflanzen, über Ziele nachzudenken und zusammen Grillabende zu veranstalten. Alle Zeremonien und wichtigen Ereignisse bringen uns zusammen. Wir empfinden diesen Ort sicher; hier können wir so oft versuchen und scheitern, wie wir wollen, bis wir den richtigen Weg finden, um unser Schicksal zu erfüllen. Es ist ein sicherer ‹Sandkasten› für alle.
Übersetzung aus dem Englischen von Franka Henn.
Kontakt: Pailin Teerasawad, pailinkunnawat@gmail.com Die FRIENDs Community ist auf Facebook zu finden.