Auf der Suche nach einem Zufluchtsort vor den Beschränkungen der Pandemie haben wir den wundervollen Wald für uns entdeckt, einen Ort, an dem wir wie früher in Freiheit zusammen sein konnten. Die Gruppe war damals in der 6. Klasse (de Schüler und Schülerinnen waren also 12 Jahre alt) und voller Drang, die Welt zu erkunden. In den Pausen zwischen den Unterrichtseinheiten entdeckte ich, wie wichtig es ist, in der Phase der Pubertät und des Erwachsenwerdens in der Natur zu wandern, und so beschloss ich zusammen mit einem guten Freund, der die Natur liebte, die Schüler:innen dazu zu bringen, die Welt mit ihren eigenen Füßen zu entdecken.
Am Dienstag, dem 27. April 2021 starteten wir das erste von vier Abenteuern, die uns dazu führen sollten, einen gesunden Weg zur Stärkung des Ätherleibs zu finden, um unabhängiger von unserer Seele zu werden. Unsere Abenteuer erstreckten sich über 4 Jahre und endeten schließlich am 3. Mai 2024. Im Laufe dieser Zeit veränderte sich die Zusammensetzung der Gruppe immer wieder, einige Teilnehmende verließen die Gruppe, andere kamen hinzu, aber die Liebe zur Natur und das große Interesse an der Entdeckung neuer Orte sind stets geblieben. Auch ich veränderte mich – als Lehrerin mit einer Ausbildung in Heilpädagogik entdeckte ich neue Sichtweisen auf meine Schüler:innen, die einer besonderen seelischen Zuwendung bedürfen, und so bekamen die Aktivitäten in der Natur gleichermaßen eine neue Bedeutung.
Nachdem ich die Wesensglieder des Menschen, die Ätherkräfte und die Elemente studiert hatte, konnte ich deutlicher wahrnehmen, was in meinen Schüler:innen bei jeder dieser Begegnungen mit der Natur vor sich ging. So begann die Planung der Aktivitäten immer spezifischer und konkreter zu werden. Mit dem Hunger der Schüler:innen nach Abenteuern und neuen Herausforderungen, dem Enthusiasmus und dem Engagement der Betreuer:innen und Lehrer:innen entstand schließlich dieses Programm mit Naturaktivitäten für 12- bis 15- jährige Jugendliche in inklusiven Gruppen, um die unteren Wesensglieder während der Pubertät und Adoleszenz zu stärken, gesund zu erhalten und ins Gleichgewicht zu bringen.
Die Reihenfolge der Aktivitäten ist an der Entwicklung des Menschen, der Entwicklung der Wesensglieder und ihrer Verbindung zu den Elementen ausgerichtet. So wie sich im Menschen nach und nach die einzelnen Wesensglieder zu einem Ganzen zusammenfügen, fügen wir bei jeder Aktivität ein neues Element hinzu. Um die Schülerinnen und Schüler auf die Erfahrungen vorzubereiten, haben wir weitere Wanderaktivitäten auf rhythmische Art und Weise durchgeführt, die den Schüler:innen halfen, körperlich fit zu werden, mit der Natur vertraut zu werden und das Zusammensein außerhalb des Klassenzimmers zu erleben. Bei jeder Aktivität haben wir die körperliche Beanspruchung, die technische Komplexität und die räumliche Entfernung von zu Hause etwas erhöht. Auf diese Weise wurde der Zusammenhalt zwischen den Begleiter:innen und der Gruppe Schritt für Schritt gestärkt.
Es gibt dabei Kinder, bei denen das Asperger-Syndrom, eine rechtsseitige Hemiparese, eine intellektuelle Beeinträchtigung oder eine hypotone Tetraparese diagnostiziert wurden und die eine besondere seelische Zuwendung durch die Gruppe benötigen. In einer Zeit des Wandels und der Bewegung, bedingt durch die Pubertät und die Auswirkungen der Pandemie, kamen jedoch auch Kinder mit Ängsten, mit geringer sozialer Kompetenz, geringer Toleranz, mit Gedächtnisproblemen und eingeschränkter Konzentrationsfähigkeit zu uns.
Bei der Planung der Aktivitäten wurde uns klar, wie wichtig es ist, Orte auszuwählen, die den Qualitäten der einzelnen Gruppenmitglieder Rechnung tragen; Orte, die es ihnen ermöglichen, Erfolgserlebnisse zu erfahren. Außerdem haben wir im Vorfeld eine Erkundungstour gemacht, um alle möglichen Sicherheitsmaßnahmen, Evakuierungswege und Vorkehrungen für den Fall von Katastrophen oder Unfällen zu erörtern. Dadurch konnten wir ihnen das Gefühl geben, dass wir ihnen vertrauen, dass wir wissen, dass sie es schaffen können und dass wir als Team bereit sind, uns in jeder Situation um sie zu kümmern. Außerdem habe ich die Begleiter und Betreuerinnen sorgfältig ausgewählt: erwachsene Persönlichkeiten, die in der Lage sind, den Schülern und Schülerinnen in jeglicher emotionalen und physischen Stresssituation ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln, die über gute soziale Kompetenzen verfügen, die Wahrheit und Gerechtigkeit lieben, sich von der Welt überraschen lassen und eine Entdeckerseele haben.
Wir Betreuerinnen und Betreuer bilden ein solides Team, das in der Lage ist, die Gruppe in Bewegung zu halten, und dabei den «lebenswichtigen Humor» nie verliert, um schwierige Situationen aufzulockern, sowie immer Flexibilität und Enthusiasmus bewahrt, um insbesondere die Kinder mit höherem Assistenzbedarf zu begleiten. Das Vertrauen in die Fähigkeiten der Schüler:innen war von entscheidender Bedeutung, da der Aufenthalt in der freien Natur immer mit Risiken verbunden ist und die eigenen Ängste die Erfahrungen der jungen Menschen mit Assistenzbedarf einschränken können. Wenn dies geschah, mussten wir uns organisieren, um die Erfahrung fortsetzen zu können und jeder und jedem Einzelnen die notwendige Unterstützung zu geben.
Die Erfahrung des direkten Kontakts mit dem Erdelement zur Stärkung des physischen Leibes und um verstärkt mit dem Ätherleib zu arbeiten
Ort: Vulkan Xitle, südlich von Mexiko-Stadt.
Alter der Schüler:innen: 12 Jahre (6. Klasse)
Dauer: 5 Stunden; 5 km.
Der Vulkan Xitle, dessen Name in Nahuatl «Nabel» bedeutet, brach etwa 50 v. Chr. aus. Die Lava führte zur Bildung einer Reihe von Höhlen am Fuße des Vulkans. Das Gelände besteht aus abgelöstem vulkanischem Material, der größte Teil des Vulkans ist stabiles Gelände, aber innerhalb der Wanderwege gibt es immer noch Felsabbrüche verschiedener Größe, was die Wanderung komplex macht.
Der Krater von Xitle besteht aus schwarzem Vulkangestein, das aufgrund von Silikaten schillernd glänzt (diese Beschreibung ist ein Beispiel für die Art von technischem und wissenschaftlichem Wissen, das wir während des Projekts erworben haben). Beim Abstieg ins Zentrum des Kraters mussten wir bei jedem Schritt sehr vorsichtig sein, da die Felsen den Boden uneben machen, so dass man leicht ausrutschen kann. Als wir uns langsam an den Abstieg zwischen den Felsen gewöhnten, konnten wir den Kontrast zwischen dem lockeren Boden und der Festigkeit der Knochen unserer Beine wahrnehmen; und wir fanden einen Rhythmus in unseren Schritten, der uns ein Gefühl der Sicherheit vermittelte, das wir auch auf dem unsicheren Untergrund stets spüren konnten.
Als wir das Zentrum des Kraters erreichten, wurden wir mit festem Boden und einer Landschaft belohnt, die mehr aus Felsen als aus Himmel bestand. Die Atmosphäre war warm und trocken, wir waren völlig von Erde umgeben, und auch unser Körper verlangte nach mehr Wasser. Wir ruhten uns von dem Gefühl der Unsicherheit aus, denn wir wussten, dass wir bald zu ihm zurückkehren würden. Der Aufstieg aus dem Krater war eine echte Willensleistung. Jeder Schritt, den wir machten, zog uns nach unten, die körperliche Anstrengung spiegelte sich nicht in der zurückgelegten Strecke wider, und wenn wir unser Körpergewicht nicht gut bedachten und nicht genau wussten, wo wir unsere 10 Füße hinsetzten, konnten wir immer wieder ausrutschen. Das zwang uns, ein gleichmäßiges Tempo zu halten und uns an die innere Erschöpfung anzupassen. Aus dem Krater herauszukommen war eine große Leistung, vor allem für diejenigen von uns, die körperliche Anstrengung nicht gewohnt waren.
Nach der Erkundung des Kraters, die uns vorkam, als hätten wir die Überreste eines Lebewesens besucht, gingen wir zur Erforschung seiner Entstehung über. Von der Lava gebildete Höhlen – die Folgen ihrer Kraft und Bewegung. Um sie zu betreten, mussten wir uns etwa 5 Meter weit abseilen. Beim ersten Abseilen entdeckten wir eine Dynamik zwischen dem Seil, dem Körper, unserem Gewicht und der Bewegung. Wir mussten uns dabei auf unsere Hand verlassen, die die Reibung beim Durchziehen des Seils und damit die Geschwindigkeit des Abstiegs kontrollieren konnte.
Der Abstieg in die Höhle brachte einen Temperaturwechsel mit sich, denn dort trafen wir auf die thermische Qualität der Mineralwelt; anders als der Krater war die Höhle feucht und kalt. Um die Höhle zu durchqueren, gingen wir auf riesigen, festen Felsen, die aus einem dunklen Boden emporragten; um hinaufzuklettern, benutzten wir alle vier Gliedmaßen, wir bahnten uns einen Weg durch scharfe Felsen und kletterten durch ein kleines Loch hinaus. Draußen im Krater, wo die Felsen der Witterung ausgesetzt sind, sind sie geschliffen, aber im Inneren der Höhle, ohne die Witterung, sind die Felsen schärfer, so dass es sehr wichtig ist, feste und bewusste Schritte zu machen. Beim Klettern lernten wir das Verhältnis zwischen unserer Kraft und der Härte der Felsen kennen. Wir konnten uns auf die Festigkeit der Felsen verlassen, mussten dabei aber auf die Neigung der Oberfläche achtgeben und einen guten Griff bewahren.
Entwicklungsaspekte
Die Entwicklung des physischen Leibes erfolgt über die Knochen, so dass sie sich der Erde näher fühlen, schwer wie Steine, aber ihr Denken leuchtet wie die Sterne. Es ist diese Nähe zum Erdelement, die es uns ermöglicht, mit dem Aufstieg auf den Berg zu beginnen und den Kindern einen festen, aber offenen, sozialen und doch persönlichen Raum zu bieten.
Wenn sich die Kinder «zwischen Himmel und Erde» befinden, wenn sie mit ihren Gedanken fliegen und bis in die Knochen inkarnieren, wenn sie Orte besuchen, an denen sie ihre Knochen spüren und wahrnehmen können (sensorische Erfahrung), was sie lernen (Denken), dann ist das heilsam, denn es führt die Pole zusammen. Diese Aktivität holt das Bewusstsein in den physischen Leib und lädt das Denken in die Gegenwärtigkeit ein. Es ist wichtig, diese Erfahrung in Begleitung eines Fachmanns, einer Fachfrau oder eines Wissenschaftlers (Geologe, Geografin, Biologe) zu machen, die in der Lage sind, manche Unklarheiten zuverlässig zu klären, aber vor allem auch immer wieder neue Fragen aufzuwerfen. Und damit ein Gleichgewicht zwischen Innen und Außen, zwischen Gedanken und körperlicher Erfahrung zu schaffen.
Ausbildungsmöglichkeiten
Während dieser ersten Erfahrung müssen die begleitenden Erwachsenen stets dafür sorgen, dass der soziale Aspekt berücksichtigt wird. Die Person, die die Gruppe anführt, muss die Energie der schnelleren Kinder zügeln, und die Person am Ende der Gruppe muss den langsameren Kindern dabei helfen, das Tempo zu halten. Die Gruppe sollte zusammenbleiben, damit sie die Bedürfnisse aller Gruppenmitglieder wahrnehmen und bei Bedarf helfen kann. Es ist bemerkenswert, dass das Teilen von Essen eine solide Gruppenbildung fördert, die wiederum ermöglicht, die körperliche Herausforderung bei zukünftigen Erlebnissen zu erhöhen. Wir dürfen nicht vergessen, dass es sich um die erste solche Erfahrung handelt und dass einige der Teilnehmenden sich möglicherweise gelähmt fühlen (oder nicht wissen, was sie tun sollen), daher ist es wichtig, dass sie die Möglichkeit des Abseilens mit geführter Abbremsung haben.
Die Erfahrung des Kontakts mit dem Wasserelement zur Stärkung des Ätherleibs und um verstärkt mit dem Klangäther (Chemischen Äther) zu arbeiten
Ort: Cañada de Nexpayantla, innerhalb des Nationalparks Iztaccihuatl-Popocatepetl
Alter der Schüler:innen: 13 Jahre (7. Klasse)
Dauer: 7 Stunden; 11 km
Nexpayantla, was auf Nahuatl «wo es viel Asche gibt» bedeutet, ist eine Schlucht, die bei der letzten Eruption des Stratovulkans Popocatépetl entstanden ist. Das vom Popocatépetl herabfließende Schmelzwasser bildet einen Wasserlauf.
Der Besuch dieses Ortes ist mit einem hohen Risiko verbunden, denn da es sich um eine Schlucht handelt, gibt es nur einen Ein- und Ausgang; das bedeutet, dass im Falle einer drohenden Gefahr die bereits absolvierte Strecke in die entgegengesetzte Richtung zurückgelegt werden muss, um so schnell wie möglich das Gelände verlassen zu können. Es ist sehr wichtig, dass sich die begleitenden Personen diesem Umstand bewusst sind: Sie müssen sehr genau auf die Geräusche des Berges (Asche- und Gesteinsauswurf sowie Eruption) sowie auf plötzliche Veränderungen der atmosphärischen Bedingungen (Regen, Hagel usw.) achten.
Die Route selbst verläuft in einem Gelände mit geringen technischen Schwierigkeiten. Der Weg beginnt am Fuße der Straße Santa Bárbara Huajuapan-Tlamacas bei Kilometer 4.6. Wir wandern gegen die Stromrichtung zwischen feuchter Erde, gut gerundeten Flusssteinen und Baumstämmen, die bei Bedarf helfen, das Wasser zu überqueren. Je weiter wir vorankommen, desto höher werden die Felswände, desto schmaler wird der Weg und desto feuchter wird es. Die Vegetation verändert sich entsprechend der Höhe und des Schattens. Am Ende des Weges hört die Baumvegetation ganz auf und macht Platz für Flechten, Moose und Farne.
Die Besonderheiten dieses Ortes helfen dabei, die Erfahrung in der Natur sozialer und künstlerischer zu gestalten. Die Route war sehr einfach zu gehen und den richtigen Weg zu finden, da die Stromrichtung ihn uns zeigte. Es war wie eine Schatzsuche, bei der der Schatz die Herkunft des Wassers war. Nach einem langen Fußmarsch, bei dem wir die Überreste dessen fanden, was vom Wasser fortbewegt wird, wenn der Pegel des Baches ansteigt, wurden die Felsen immer imposanter und ließen uns immer weniger Platz, wie große Wächter. Als wir das Ende der Schlucht erreichten, bemerkten wir, dass das Wasser von großen glatten Steinen herabfiel, die vom Wasser geformt worden waren. Das Gelände war sehr rutschig, so dass wir die Hilfe eines Seils benötigten, um den Wasserfall zu erreichen.
Nachdem wir erfahren hatten, wie das eiskalte Wasser (das vom Tauwetter herrührte) in die Tiefe stürzte, machten wir uns auf den Rückweg. Die Felsen hinunterzusteigen war viel schwieriger als hinaufzusteigen. Einige gingen sehr schnell hinunter und andere brauchten mehr Zeit, aber alle schafften den Weg zurück mit einem schönen Erfolgserlebnis im Gepäck.
Entwicklungsaspekte
Im Alter von 13 Jahren beginnen die Kinder, ein starkes Interesse daran zu zeigen, Gleichaltrigen und sich selbst zuzuhören, sie suchen zu Hause mehr Zeit für sich selbst und in der Schule sind Gespräche sehr wichtig. Mit einer einfachen, aber ausgiebigen Wanderung verschaffen wir ihnen Zeiten der Stille und des Nachdenkens, durchsetzt mit Momenten der Hinwendung zur Natur und zu den Fähigkeiten der Gleichaltrigen und begleitet von leichtem Plaudern und Lachen.
Das Soziale beginnt sich durch die Energie zu entwickeln, die der Wille bei der Bewusstseinsbildung freisetzt, so dass die Jugendlichen mit der richtigen Begleitung einen großen Wert in den gemeinsamen Momenten mit der Gruppe entdecken können. Bei diesen Ausflügen in die Natur begannen sie, Gruppentreffen zu planen, bei denen sie sich gegenseitig bei der Überwindung von Ängsten unterstützen, Übungen machen, spielen, sich unterhalten und ihre Vorstellung vom Zusammenleben auf der Grundlage von Freundlichkeit und Liebe entwickeln konnten.
Die Lernerfolge aus dieser Erfahrung
Die regelmäßige Durchführung dieser sportlichen Aktivitäten trug dazu bei, einen natürlichen Gruppenrhythmus zu etablieren. Das stärkte das Selbstvertrauen und ermöglichte den Jugendlichen, neue Fähigkeiten an sich selbst und an den anderen zu entdecken.
Als Betreuungsperson ist es wichtig, sich nach und nach zurückzuziehen, damit die Schülerinnen und Schüler anfangen, Verantwortung für sich und die Gruppe zu übernehmen.
Dies bietet eine ideale Gelegenheit, die «Hinwendung zum Kleinen» zu teilen. Die Begleitpersonen können die Fortschritte der einzelnen Gruppenmitglieder beobachten, was den anderen erlaubt, ebenfalls zu staunen und ihnen aufrichtige Anerkennung zu schenken.
Die Erfahrung des Kontakts mit dem Luftelement zur Stärkung des Astralleibs und um verstärkt mit dem Lichtäther zu arbeiten
Ort: Río Subterráneo in Chontalcoatlán, Guerrero
Alter der Schüler:innen: 13 und 14 Jahre (7. und 8. Klasse)
Dauer: 2 Tage
Dieser Ort liegt in der Sierra Madre del Sur, im Norden des Bundesstaates Guerrero, im Nationalpark Grutas de Cacahuamilpa. Das Wasser des Flusses Chontalcoatlán entspringt im Nevado de Toluca, fließt durch die Schlucht von Malinaltenango und passiert schließlich den Ort, der ihm seinen Namen gibt. Das Felsgestein, aus dem der Boden besteht, lässt kein Wasser durch und bildet so die Grundlage für einen unterirdischen Fluss. Die Höhle kann in der Trockenzeit (Februar bis Mai) betreten werden, nicht aber von Juni bis Dezember, denn dann ist Regenzeit, die Strömung nimmt zu und der Zutritt ist nicht mehr möglich.
Die Gesamtlänge des unterirdischen Flusses beträgt sieben Kilometer, wobei sich auf halber Strecke ein Oberlicht befindet, eine Öffnung im Dach der Höhle, durch die man aussteigen kann. Dieses Erlebnis ist zugleich eine Einführung in die Speläologie (Wissenschaft, die die Natur, den Ursprung und die Entstehung von Höhlen sowie ihre Fauna und Flora untersucht).
Da es unsere erste Erfahrung unter der Erde war, waren wir alle sehr aufgeregt, und mit dieser Energie begannen wir den Weg zu gehen, der uns zum Eingang der Höhle führen sollte. Die Sonne brannte so sehr, dass einige sich schwach fühlten und die Begleitpersonen ihnen helfen mussten, ihre Sachen zu tragen, um den Weg etwas leichter zu machen. Als der gerade verlaufende Weg zu Ende war, begannen wir, einen Klettersteig hinunterzusteigen, der uns zum Eingang der Höhle führte.
Da dies unsere erste Erfahrung unter der Erde war, waren wir alle sehr aufgeregt, und mit dieser Energie machten wir uns auf den Weg, der uns zum Eingang der Höhle führen würde. Die Sonne brannte so sehr, dass einige sich schwach fühlten und die Begleitpersonen ihnen helfen mussten, ihre Sachen zu tragen, um ihnen den Weg zu erleichtern. Wir wanderten mehrere Stunden lang, ohne uns auszuruhen, und staunten über alles, was uns begegnete: felsiger Kalkstein mit mineralischen Formationen, die durch die kleinen, vom Wasser geschliffenen Rillen glitzerten, und große Stufen, die wie Pyramiden aussahen, Stalaktiten und Stalagmiten. Die Haltung der Schüler:innen veränderte sich allmählich, einige fragten etwas ängstlich, ob wir nicht noch einmal das Sonnenlicht sehen würden, andere hörten nicht auf, ihre Entdeckungen staunend zu zeigen, und wieder andere schwiegen, während sie alles auf sich wirken ließen. Die ersten Schritte im Wasser lösten zunächst Unsicherheit aus, aber mit der Zeit gingen die Kinder weiter wie auf jedem anderen Weg. Das Begehen der Höhle war eine Mischung aus Festigkeit auf den Felsen und Leichtigkeit im Wasser, manchmal trug man sein ganzes Gewicht und manchmal trug das Wasser es für einen.
Als wir spürten, dass die Nacht nahte, weil das Wasser immer kälter wurde, wollten wir so schnell wie möglich zu unserem Lagerplatz gelangen. Um uns das Abenteuer etwas zu erleichtern, halfen uns die Einheimischen, unser Gepäck und unsere Ausrüstung zu dem Dachfenster zu tragen, wo wir unser Nachtlager aufschlagen wollten. Denn als wir nach etwa 10 Stunden Wanderzeit müde ankamen, gab es noch viel zu tun. Zwei Begleitpersonen und drei Jugendliche schafften es, alles sehr schnell herunterzuladen, was ein großes Gefühl der Dankbarkeit in der Gruppe auslöste. So entstand eine neue Solidarität und wir erledigten alles, was es für das Lager brauchte, als Team, ohne dass die Begleitpersonen darum bitten mussten. Wir liefen schnell die verbleibende Strecke, trugen Koffer, achteten darauf, dass nichts nass wurde, bauten Zelte auf und entfachten das Lagerfeuer. Noch nie hatten wir eine so harmonische und effiziente Organisation erlebt.
Die Nacht in der Höhle zu verbringen war eine ganz besondere Erfahrung. Die Dunkelheit und das Rauschen des Wassers förderten die Selbstreflexion, doch als wir uns in einer Gruppe wiederfanden, in der ein wunderschönes Lagerfeuer zum Miteinander einlud, floss all das, was in unserem Inneren war, ganz natürlich nach außen, und die Gespräche hatten einen einzigartigen, warmen, vertrauensvollen Ton. Das Lagerfeuer war unsere einzige Lichtquelle. In der Höhle erlebten wir die Erfahrung, ein einziger Organismus zu sein, wir schauten in uns selbst, aber auch in die anderen, die Dunkelheit verwischte unsere Grenzen.
Die tiefe Dunkelheit der Höhle führte dazu, dass wir viel später als sonst schliefen. Sobald wir wach wurden, brachen wir unser Lager ab und brachen voller Hoffnung, wieder das Sonnenlicht zu sehen und zu spüren, auf.
Entwicklungsaspekte
Zu diesem Abenteuer gesellte sich eine zweite Gruppe von Schüler:innen, die ein Jahr jünger waren und sich zunächst sehr zurückhaltend verhielten, aber im Laufe dieser Unternehmung verwischten sich die Unterschiede zwischen den Gruppen und sie wurden letztlich zu einer gemeinsamen großen Gruppe.
Die Schüler fingen an, darauf zu achten, was sie tun können, um sich besser vorbereitet zu fühlen, zum Beispiel sich besser zu ernähren oder dass es wirklich wichtig ist, zu packen und sich um die individuelle Abenteuerausrüstung zu kümmern, weil wir diese ständig benutzen würden. So So entstand eine gemeinschaftliche Verhaltensweise, bei der die Gesundheit und das Wohlbefinden an erster Stelle standen, um jeden Moment genießen zu können.
Beim Zusammenspiel von Selbstreflexion und Interesse an der Funktionsweise des menschlichen Körpers entstehen gewisse Unbehaglichkeiten und Unsicherheiten gegenüber dem eigenen Körper, die bei den Schüler:innen mit einer körperlichen Beeinträchtigung noch stärker ausgeprägt waren. Doch nach stundenlangem Laufen und Klettern und nachdem sie all die Dinge erreicht haben, die zunächst unerreichbar schienen, wurde die Beziehung zum eigenen Körper verändert und gestärkt.
Wenn das Gedankenleben sich entfaltet und der Egozentrismus überhand nimmt, wirkt diese Art von Aktivität wunderbar dagegen, denn sie eröffnet ihnen eben die großartige Welt, die sie brauchen, um mit ihrem Willen in die Welt zu gehen, anstatt ihn schlummern zu lassen.
Die Lernerfolge aus dieser Erfahrung
Diejenigen, die in der Dunkelheit zu viel nachdachten, brachten ihren Geist zur Ruhe und erlaubten sich, zu fühlen. Diejenigen mit überschüssiger Energie brachten den Körper zur Ruhe und gaben sich selbst die Möglichkeit zu beobachten. Es gab dabei keine Eile, keine Ungeduld, keine Müdigkeit.
Die Bedingungen in der Höhle ließen ein wunderbares Gefühl von Demut und Miteinander-Verbundensein entstehen, das die Dynamik der Gruppe für immer veränderte. Es ist wichtig, sich über den Rhythmus, den die Gruppe braucht, im Klaren zu sein und diesen mit dem für diesen Ort geeigneten Rhythmus abzustimmen, um die Schüler nicht zu überfordern.

Die Erfahrung des Kontakts mit dem Feuerelement, um die Ich- Organisation zu aktivieren und mit dem Wärmeäther zu arbeiten
Ort: Cuetzalan del Progreso, Puebla
Alter der Schüler:innen: 14 und 15 Jahre (8. und 9. Klasse)
Dauer: 5 Tage
Cuetzalan liegt im Nordosten der Sierra de Puebla, wo sich das Genossenschaftsnetzwerk Tosepan Titaniske befindet, eine Organisation, die sich aus indigenen Nahua- und Totonac-Bauernfamilien zusammensetzt. Es ist ein nachhaltiger Ort, der nach ökologischen Grundsätzen errichtet wurde. Ihr Bildungssystem haben sie selbst entwickelt, inspiriert von verschiedenen pädagogischen Ansätzen, darunter Waldorf und Montessori.
Wir gelangten hier in ein feuchtheißes kleines Paradies, versteckt zwischen Bergen und Nebel, wo wir eine große Gemeinschaft von Familien vorfanden, die so organisiert waren, dass jeder hatte, was er brauchte, und jeder mit seinen Fähigkeiten zur Gemeinschaft beitrug. Sie gaben uns eine Führung durch ihre Gebäude: den Speisesaal und die im Bau befindliche Aula mit einer beeindruckenden Struktur und Dimension für ein Gebäude, das aus natürlichen Materialien geschaffen wurde; die Schule, die eine gewisse Wehmut bei den Vorschulkindern auslöste; die Kommunikationssysteme, bestehend aus Radio, Telefon und Internet; die Schreinerei und den Raum, in dem sie ihre Erkenntnisse mit uns teilten, wie zum Beispiel die verschiedenen Herdarten, die es uns ermöglichten, das Beste aus der Energie herauszuholen, und das Hotel, in dem sie uns unterbrachten und das natürlich auch von ihnen selbst erbaut worden war. Für uns Erwachsene war das bewundernswert, es war wie die Verwirklichung einer Utopie. Die Schüler:innen interessierten sich nur für das, wofür sie ohnehin schon Interesse hatten – die einen waren begeistert vom Bau, andere, die sich für Politik und Anarchie begeisterten, stellten im Kommunikationszentrum viele Fragen, und die Wissenschaftsbegeisterten waren sehr interessiert an den Entdeckungen und Erfindungen.
Die nächsten Tage bestanden aus einer Mischung von Besuchen bei Familien in der Gemeinde und Abenteuern in der Natur. Der Rhythmus in dieser Gemeinschaft war völlig anders als in der Stadt und ihre Bräuche sind geprägt durch das sehr heiße Klima. In den Häusern wurden wir mit Wasser mit Früchten empfangen, damit wir Flüssigkeit zu uns nehmen und uns von der Hitze erholen konnten. Am Anfang waren die Jugendlichen verzweifelt und ungeduldig, ja sogar verärgert, doch im Laufe der Tage merkten sie, dass es keine Eile gab und dass es in dieser Zeit des Wassertrinkens und des Kennenlernens der Familie viel zu lernen und zu beobachten gab. Es wurde uns auch Essen angeboten, darunter einige mexikanische Gerichte, die wir alle kannten, sowie auch einige neue Geschmacksrichtungen, die in der Region üblich sind, aber alles wurde mit großer Dankbarkeit und Offenheit für Neues aufgenommen, was in der Zeit der Pubertät durchaus überraschend ist. Wir besuchten einige Landparzellen (Land, das zu gleichen Teilen unter den Familien für die Landwirtschaft aufgeteilt wurde) mit allen möglichen Arten von Pflanzen, die meisten davon essbar und von beachtlicher Größe. Sie erzählten uns von der harten und bewundernswerten Arbeit, die sie leisten. Wir lernten, den Honig der Melipona-Bienen wie unsere Vorfahren vor Tausenden von Jahren in Tongefäßen zu verarbeiten. Es war wunderbar zu sehen, in welchen Formen sie die Waben bauen, denn der Honig wird in Kugeln anstatt der klassischen Sechsecke gelagert. Wir haben auch Schokolade hergestellt, vom Reinigen und Rösten des Kakaos bis hin zum Formen der Schokolade. Wir ernteten Zimt mit großer Sorgfalt, um die ganze Rinde zu gewinnen, da diese am wertvollsten ist. Und wir haben Baumwolle gereinigt und gesponnen, in Begleitung einer sehr erfahrenen und sachkundigen Dame, die an der Art und Weise, wie die Schüler:innen die Baumwolle reinigten, in ihnen lesen konnte, was zu persönlichen Momenten der Selbsterkenntnis führte, begleitet von Lachen, das diese Momente erhellte.
Inmitten all dieser Erfahrungen begaben wir uns auf die Suche nach Abenteuern und fanden verschiedene Pfade und Wasserfälle, wo die Jugendlichen schwimmen und spielen konnten, sie stellten sich Herausforderungen und unterstützten sich gegenseitig, um diese zu bewältigen, sie waren motiviert, alles gemeinsam zu tun und jeden Moment, der ihnen als Gruppe blieb, in vollen Zügen zu genießen.
Entwicklungsaspekte
In dieser Lebensphase erleben die Jugendlichen oft ein Gefühl tiefer Einsamkeit und Unverständnis. Sie suchen daher einen freundlichen Wegbegleiter, jemanden, der ein wenig älter ist als sie und ihnen das Gefühl gibt, dass sie in seine Fußstapfen treten können. Indem zwei Gruppen zu gemeinsamen, sinnvollen Aktivitäten zusammengebracht wurden, wurde der Raum geschaffen, um diese Orientierung auf gesunde, ausgewogene und gezielte Weise zu erfahren. Dies weckte eine vitalisierende Begeisterung bei den jungen Menschen.
Sie befinden sich auf der Suche nach ihrer Rolle in der Welt, sie wollen wissen, was die Menschen um sie herum schätzen und wollen darin ihre Identität finden. Sie versuchen, sich durch ihre eigenen Bemühungen mit der Welt zu verbinden, wodurch das Zusammenleben mit Menschen, die durch ihre Fähigkeiten ein offensichtlich wertvoller Teil ihrer Gemeinschaft sind, ihnen einen Einblick in das geben kann, was sie durch ihre eigene Individualität werden könnten.
Verliebtsein, Partnerschaften und Sexualität sind Themen, die in dieser Lebensphase präsent sind. Aktivitäten in der Natur und in der Gruppe verschaffen ein Gleichgewicht an Aufmerksamkeit und Energie, so dass die Entwicklung der Sexualität gesünder verlaufen kann. Manchmal neigen junge Menschen mit Assistenzbedarf dazu, sich zu infantilisieren. Wenn sie das Erwachen dieser Interessen zur gleichen Zeit wie ihre gleichaltrigen Freunde beobachten können, ist das ein Zeichen dafür, dass ihre körperliche, geistige und seelische Entwicklung in Einklang gebracht wird.
Die Lernerfolge aus dieser Erfahrung
Diese Jugendlichen, die es gewohnt sind, nur unter sich zu leben und dabei ständig auf der Suche nach Abenteuern und Herausforderungen in der Natur zu sein, fühlten sich zunächst frustriert und waren nicht damit einverstanden, Vorträgen zuzuhören, an Workshops teilzunehmen und Menschen zu besuchen, denn obwohl ihnen erklärt wurde, dass dieses Abenteuer anders sein würde, war es nicht das, was sie sich unter fünf Tagen in der Natur vorstellten. Sie sprachen untereinander darüber, nahmen sich Zeit, um darüber nachzudenken und es individuell zu spüren, stellten uns einige Fragen, um besser zu verstehen, und anschließend war ihre Einstellung offener, obwohl die Einwände zu verschiedenen Zeiten immer wieder aufflammten und dann wieder abflauten.
Die Kinder schwankten zwischen Apathie und Desillusionierung, Dankbarkeit und Bewunderung. Sie machten letztlich nicht mehr mit, weil sie an der Reihe waren, sondern weil sie mehr arbeiten wollten, um die Familien zu unterstützen, als Dank für die Großzügigkeit, mit der sie ihr Zuhause mit uns teilten.
Es hat sich gelohnt, ein paar Tage in einer außerordentlich gut strukturierten Gemeinschaft zu verbringen, in der die Wärme der «Iche» das «Ich» der Schüler:innen inspirieren konnte. Ich konnte beobachten, wie sie sich auf den Weg von der Fremdregulierung zur Selbstregulierung machten, auf einen Weg des Zuhörens und Respektierens sämtlicher Regeln, wie sie sind, hin zum Aushandeln der Möglichkeiten in der Natur unter Berücksichtigung der Fähigkeiten der anderen. Es war sehr schwierig für sie, mit dem Spielen und Erforschen der Natur aufzuhören, um stattdessen zur Arbeit zu gehen und einen Beruf zu erlernen, aber sie hielten sich immer an die Vereinbarungen.
Wir beschlossen den Zyklus als Gruppe und Abenteurer, indem wir uns einen Moment Zeit nahmen, um uns inmitten der Natur zu umarmen, einander zuzuhören und uns zu verabschieden. Das Schönste war, dass dies zwar das Ende ihrer Zeit als begleitete Schulgruppe war, aber dafür der Beginn einer Gruppe von Freunden, die gemeinsam Abenteuer in der Natur erleben konnten.
Was uns diese Erfahrungen gebracht haben
Die Natur und die frische Luft sind der beste Ort, um den Ätherleib zu stärken, den leiblichen Organismus, den wir mit allen Lebewesen teilen. In ihm können wir Rhythmen erleben, die wir ebenso in der Umgebungstemperatur, in den Landschaftsformen, in den Pflanzen und so weiter wahrnehmen können. Die Aktivität des Wanderns hat eine besondere Geste von Punkt und Umkreis, die jede Bewegung meditativ werden lässt und uns einen gesunden Atem schenkt. Der Rhythmus eines jeden Einzelnen und der Gruppe als solche gibt uns den Impuls, jeden Weg zu Ende zu gehen, nicht nur bis zum höchsten Punkt, sondern auch zurück nach Hause. Ein gesunder Atem ermöglicht uns, diese Erde mit einem gesunden Seelenleben zu bewohnen, indem wir in der Lage sind, das Innere und das Äußere, das Irdische und das Geistige in Einklang zu bringen.
In der Heilpädagogik ist es sehr wichtig, dass junge Menschen mit Assistenzbedarf das bekommen, was ihr Wesen in dem Alter braucht, in dem sie sich befinden. Diese Jugendlichen am Übergang zwischen Pubertät und Erwachsenwerden müssen mit Schönheit und Wahrheit begleitet werden, sodass sie nach und nach ihre eigene Identität entdecken können. Indem die Begleitpersonen in der Lage sind, über die Symptome und über die Begrenzungen hinaus zu sehen, eröffnen sie dem jungen Menschen mit Unterstützungsbedarf eine neue Welt der Möglichkeiten, die auch er in sich trägt, begleitet von einem Blick voller Mitgefühl. Körperliche Aktivitäten an der frischen Luft, die in einem ausgewogenen Rhythmus organisiert werden, ermöglichen diesen Jugendlichen, eine gesunde Beziehung zu ihrem Körper aufzubauen, während sich wichtige Veränderungen vollziehen. Sie werden dazu eingeladen, die Kraft und die Fähigkeiten ihres Körpers zu würdigen, anstatt ihn zu bewerten. Die Arbeit in einer Gruppe ermöglicht eine soziale Entwicklung, die für den individuellen menschlichen Entwicklungsprozess notwendig ist, da die Jugendlichen in ihren Gleichaltrigen einen sicheren Ort außerhalb ihres Zuhauses finden. Die Schüler:innen konnten erfahren, wie sie sich in der freien Natur sicher fühlen können. Das Gefühl der Sicherheit ging zunächst von den Erwachsenen aus und begann mit der Zeit aus ihnen selbst und aus der Gemeinschaft, die sie mit ihren Mitschüler:innen bildeten, zu erwachsen; sie machten klare Schritte von der abhängigen zur wechselseitigen Verantwortung. Dabei war es wichtig, ihnen klar und deutlich Grenzen und Regeln zu setzen und ihnen nach und nach einen Teil der Verantwortung für ihr eigenes Wohlergehen und das ihrer Klassenkamerad:innen zu übertragen. Dies trägt zur Stärkung der Resilienz dieser Altersgruppe bei.
Die verschiedenen Erfahrungen mit steigendem Anforderungsniveau ermöglichten es den begleiteten Schüler:innen, sich selbst besser kennenzulernen und wahrzunehmen und dabei selbstständiger zu werden. Während des ersten Abenteuers, das auf die Stärkung des physischen Leibes abzielt, begleiteten und unterstützten wir sie dabei, die Tage mit ersten Erfolgen in der Natur zu beenden. Mit dieser Wärme ermöglichen wir ihnen, ihren eigenen Körper wahrzunehmen, ihre eigenen Kräfte, die im Kontakt mit den Felsen zum Vorschein kommen. Beim zweiten Abenteuer waren ihre Bewegungen bereits viel präsenter, und wir achteten mehr auf ihre Lebenskraft, ihre Energie und den richtigen Rhythmus beim Gehen und Ausruhen. Bei der dritten Erfahrung war bereits Vertrauen in ihren Bewegungen zu spüren, sie waren selbst in der Lage, ihre Energie wahrzunehmen und um eine Pause zu bitten, wenn sie sie brauchen, aber was jetzt neu für sie war, waren die Gefühle und Empfindungen, die die Welt ihnen bereitet, und wir achteten darauf, dass nichts als so übergriffig oder überwältigend erlebt wurde, dass es ihnen unangenehm war. Mit Vertrauen in den physischen Leib und den Ätherleib wird dem Wesen die Freiheit gegeben, die seelischen Erfahrungen zu empfangen und sich die Zeit zu nehmen, jedes Detail zu genießen. Beim vierten Abenteuer schließlich waren sie bereits mit ihrem physischen Leib vertraut, nahmen seine Lebenskraft wahr und ließen ihren Emotionen freien Lauf, während wir die Schimmer der Individualität, die in der Begegnung mit anderen «Ichen» aufleuchteten, zu schützen und die Erfahrung eines erwachten Willens, inspiriert von ihrem Idealismus, in einer sinnvollen Tätigkeit zu fördern versuchten.
Wenn die Schüler:innen sich körperlich fit fühlen, richtet sich ihre Aufmerksamkeit darauf, ein gutes individuelles und gemeinschaftliches Wandertempo zu halten. Nachdem sie diese Hürde gemeistert haben, können sie ihre Aufmerksamkeit auf die Schönheit der Landschaft und den Reichtum der Empfindungen richten, die die Erfahrung in ihnen auslöst, so dass sie am Ende des Erfahrungsprozesses eine starke, kompetente, aufmerksame, vertrauenswürdige, offene und zugleich geeinte Gruppe bilden können, die es ihnen ermöglicht, sich in einer von ihnen geschaffenen Gemeinschaft der gemeinsamen Arbeit zuzuwenden. Das Wissen darum, dass alle Möglichkeiten in ihnen leben, schenkt ihnen die Wahrnehmung ihrer eigenen Menschenwürde.
Diese Abenteuer erfüllen die Jugendlichen mit ästhetischen und sinnlichen Erfahrungen, die in ihnen ein großes Interesse an der Außenwelt und am Menschen wecken und eine reiche Innenwelt für ihr nächstes Leben ermöglichen können. Dies ist ein Samen, der für den Rest ihres Lebens gesät wird, da sie sich nun darüber bewusst sind, dass die Welt und die Menschen voller Wunder stecken.
Wenn wir die Veränderungen und die Symptome an diesen jungen Menschen mit Assistenzbedarf bei ihrer Rückkehr von den verschiedenen Erlebnissen beobachten, können wir sehen, welches der vier Wesensglieder jeweils besonders aktiviert wurde. Während der Wanderung durch den Vulkan zum Beispiel waren sie insbesondere körperlich beansprucht, beim Ausflug zum Wasserfall war die Herausforderung vor allem energetischer Natur, nach dem Besuch der Höhle kamen neue, eindrückliche Empfindungen zum Vorschein, und während des Besuchs in der Gemeinschaft beschäftigten sich die Jugendlichen mit anderen Vorstellungen und Wahrnehmungen, mit Schwierigkeiten und notwendigen Anpassungsprozessen, die bereits auf eine verstärkt soziale Ebene hindeuten. Wir konnten Veränderungen in ihrer Lebenskraft, in ihren Bewegungen, in ihrem Interesse an ihren Mitmenschen, in ihrer Sicherheit und Selbsterkenntnis beobachten, die uns erkennen ließen, dass sie sich immer weiter inkarnieren und mit Begeisterung in dieser Welt zuhause sind.
Die jungen Menschen, die eine besondere seelische Zuwendung benötigen, leben ganz in der Erfahrung, in die Welt hinauszugehen, denn sie bringen dabei ihre Gliedmaßen in Bewegung und nutzen die Kraft ihrer Hände beim Klettern, beim Abseilen, beim Aufbauen des Lagers. Dadurch können sie die ihnen innewohnenden körperlichen Fähigkeiten erleben, was ihnen die Begeisterung und Freude verleiht, die sie zum Betrachten ihrer selbst benötigen.
Durch die Interaktion unserer Wesensglieder, der Elemente und der Ätherkräfte, aus denen der Lebensleib besteht, mobilisieren wir die ätherischen Kräfte, die den jungen Menschen mit Assistenzbedarf ermöglichen, ihre Wesensglieder ins Gleichgewicht zu bringen und gesund zu inkarnieren.
Das Zusammenspiel des physischen Leibs, des materiellen, greif- und sichtbaren Leibes, mit den Eigenschaften des Erdelements, seiner Festigkeit, seiner Undurchdringlichkeit und seiner Abhängigkeit von der Umwelt, mobilisiert die Kräfte des Lebensäthers, die belebend, harmonisierend, heilend und vervollständigend wirken auf all das, was noch unvollständig scheint.
Dieses Zusammenspiel mit dem Ätherleib, in dem sich die Lebensprozesse abspielen, ist rhythmisch und vereint uns mit dem Lauf des Lebens, mit den Qualitäten des Wasserelements, seiner Fließfähigkeit, seinem konvergierenden Anwachsen, seiner Tendenz zur Verschmelzung; die Jugendlichen mobilisieren die Kräfte des Klangäthers bzw. Chemischen Äthers, die harmonisierend wirken und Symmetrie, Struktur und Ordnung verleihen, dabei die Unterscheidungsfähigkeit stärken und die biochemische Regulierung und die hormonelle Aktivität verbessern.
Das Zusammenwirken mit dem Astralleib, dem Seelenleben, dem Bewusstsein, den Empfindungen und der Bewegung, mit den Qualitäten des Luftelements, das chaotisch ist, den Raum füllt, zur Ausdehnung neigt und einen zentripetalen Druck ausübt, mobilisiert die Kräfte des Lichtäthers, die abgrenzen, das Innere vom Äußeren trennen und dem Wesen eine Dimension verleihen.
Indem ebendiese Kräfte die aufkeimende Ich-Organisation und Individualität, das Selbstvertrauen und die Bereitschaft zur Begegnung mit den Qualitäten des Feuerelements, mit seiner Tendenz zum Verlöschen und zur Vergänglichkeit ansprechen, mobilisieren sie wiederum die Kräfte des Wärmeäthers, die in die Zukunft weisen, zu Reife verhelfen, zum Handeln anregen, Intentionalität verleihen und sich dabei mit dem schöpferischen Impuls verbinden.
Diese Erfahrungen stärken den Ätherleib dieser jungen Menschen mit Assistenzbedarf, bringen heilende Kräfte, erfüllen sie mit Lebenskraft, harmonisieren, strukturieren und organisieren sie innerlich, trennen klar zwischen Äußerem und Innerem, helfen ihnen abzugrenzen, so dass sie mit Reife und Willenskraft in die Zukunft gehen können, um ihren schöpferischen Impuls zu verwirklichen.
Übersetzung aus dem Spanischen durch Karin Gaiser.
Literatur: Glöckler, M. (2014). «El niño en Encarnación». 30 de junio de 2014. Wilton, New Hampshire.
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